Karl Kraus

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Das Recht in der Geschichte Rubrik, Kraus, Fackel, Rechtskritik

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Überblick

Der Österreichische Literat Karl Kraus (1874 - 1936) gilt als einer der größten Kritiker seiner Zeit. Mit seiner in Wien herausgegebenen Zeitschrift "Die Fackel" bezog er auf satirisch-provokante Weise Stellung zum damaligen politischen Geschehen. Dabei nahm er nicht nur den Bürokratismus oder korrupte Beamte aufs Korn, sondern auch Journalisten und Schriftsteller. Die Medien standen im Mittelpunkt seiner Kritik, die sich durch hohe Sprachkunst auszeichnete.
Des Weiteren hielt Kraus Vorlesungen an den Universitäten von Wien, Berlin und Prag, die ab 1925 unter dem Titel "Theater der Dichtung" liefen. Im Laufe seines Lebens hielt er 700 Vorlesungen, obwohl er selbst weder sein Jura- noch sein Philosophiestudium je beendet hatte.

Bereits die erste Ausgabe der "Fackel", die 1899 erschien, wurde von der Bevölkerung begeistert aufgenommen. Der damals 25-jährige Kraus hatte sich durch Veröffentlichungen in anderen Zeitschriften bereits einen Namen als Satiriker gemacht.
Dank seiner scharfen Urteile und seines gnadenlosen moralischen Anspruchs schuf er sich aber auch viele Feinde, er wurde mehrfach verklagt. Karl Kraus verstand sich allerdings sehr gut darauf, mit Zensur umzugehen. Durch das Zitieren bekannter Persönlichkeiten äußerte er indirekt seine eigene Meinung. Manchmal druckte er einen Artikel ab, den er komplett aus einer anderen Zeitung übernommenen hatte, und versah diesen lediglich mit einer eigenen, meist satirischen Überschrift. Gerne stellte er auch verschiedene Meldungen nebeneinander und ließ die darin enthaltenen Gegensätze für sich sprechen.

Nachdem zu Beginn auch literarische Beiträge anderer Schriftsteller in der "Fackel" veröffentlicht wurden, arbeitete Kraus ab 1911 völlig allein. Seine politische Einstellung ist schwer zu definieren, er schwankte stets zwischen rechts und links. Er übte sowohl am Konservatismus als auch an der Sozialdemokratie Kritik. Selbst Jude, der später zum Katholizismus konvertierte, verurteilte er den "fanatischen", jüdischen Zionismus, war aber auch Gegner des Antisemitismus der Nationalsozialisten. Besonders sprach er sich durch "die Fackel" vehement gegen den Ersten Weltkrieg aus, was zur mehrfachen Konfiszierung des Blattes führte. 1919 publizierte er das satirische Drama "Die letzten Tage der Menschheit", das heute als wichtiges Werk über den Ersten Weltkrieg bezeichnet wird.

In den Jahren nach dem Krieg verlor die Zeitschrift mehr und mehr an politischer und gesellschaftlicher Bedeutung. Nach Kraus Tod 1936 verschwand sein Name fast vollständig aus der literarischen Diskussion, dennoch sind seine Aphorismen und sein Lebenswerk "die Fackel" auch heute noch für viele ein Begriff.

Die folgenden Seiten bieten einen Einblick in Karl Kraus Rechtskritik.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Überblick
Seite  2:  Aus dem Neandertal
Seite  3:  Gerichtspsychiatrie 1
Seite  4:  Gerichtspsychiatrie 2
Seite  5:  Religionsstörung
Seite  6:  Ein Lesestück
Seite  7:  Oberlandesgericht
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