Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic will einen erneuten Aufschub seines Prozesses vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal erreichen. Er werde eine entsprechende Eingabe machen, kündigte Karadzic am Donnerstag in Den Haag an. Allein über den Jahreswechsel habe er weiteres Material über 300.000 Seiten zur Vorbereitung seines Prozesses bekommen. Insgesamt müsse er nun 2,5 Millionen Seiten prüfen. Karadzic beschwerte sich auch über die unzureichenden Telefon- und Internetmöglichkeiten. Zudem erlaube die finanzielle Ausstattung des Haager Tribunals nicht, dass seine Rechtsberater ausreichend arbeiten könnten.
Die Fortsetzung des Ende Oktober begonnenen Prozesses gegen Karadzic ist für den 1. März angesetzt. Sollte sich das Tribunal gegen einen weiteren Aufschub entscheiden, werde er ab dem 1. März die vorgesehenen vollen zwei Tage für seine Eingangserklärung in Anspruch nehmen, kündigte Karadzic an.
Der 64-Jährige wollte sich ursprünglich selbst verteidigen. Da er den Prozess boykottiert, entschied das Tribunal Anfang November, den Briten Richard Harvey zum Pflichtverteidiger zu berufen. Der Ex-Serbenführer ist wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg (1992-95) angeklagt. Karadzic war im Juli 2008 nach einem 13 Jahre langen Versteckspiel in Belgrad gefasst worden. Er muss mit einer Verurteilung zu lebenslanger Haft rechnen.
28. Januar 2010 - 17.51 Uhr
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