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Karadzic verteidigt Serbiens Rolle im Bosnienkrieg

AFP VOM 1.3.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 979 Aufrufe
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Karadzic

Ex-Serbenführer verteidigt sich in Den Haag selbst

Bei seiner ersten Stellungnahme vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal hat der frühere Serbenführer Radovan Karadzic den Kampf der Serben im Bosnienkrieg als "gerecht und heilig" bezeichnet. Die Schuld für den Konflikt mit 100.000 Toten liege bei den Führern der bosnischen Muslime, sagte Karadzic in Den Haag. Die Muslime hätten mit ihrem Streben nach einem souveränen und unabhängigen Bosnien den Krieg provoziert.

Die bosnischen Serben seien dagegen nie für eine "Kriegslösung" gewesen und hätten "um des Friedens willen" viele Zugeständnisse gemacht, sagte Karadzic. "Es gab niemals die Absicht, die Idee oder noch weniger einen Plan, die Muslime und Kroaten aus Bosnien zu vertreiben." Bei dem Krieg sei es einzig um den Schutz "unserer Köpfe, unseres Eigentums und unserer Gebiete" gegangen, sagte der Ex-Serbenführer.

Karadzic muss sich wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs (1992-95) verantworten. Im Mittelpunkt der Anklage steht das Massaker von Srebrenica, bei dem mehr als 7000 muslimische Jungen und Männer getötet wurden. Die insgesamt elf Anklagepunkte beziehen sich auch auf die fast zweijährige Belagerung von Sarajevo, während der rund 10.000 Menschen ums Leben kamen.

Karadzic war im Juli 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Belgrad gefasst worden. Ihm droht für den Fall einer Verurteilung lebenslange Haft. Der 64-Jährige plädiert auf nicht schuldig. Karadzic legte dem Gericht eine Reihe von Videos und Dokumenten als Beweismittel vor. Für die einleitende Stellungnahme des Ex-Serbenführers waren zwei Tage angesetzt; danach erhält die Anklage das Wort.

Am Mittwoch soll bereits der erste Zeuge, dessen Identität geheim gehalten wird, vor dem UN-Tribunal gegen Karadzic aussagen. Bereits die ersten drei Verhandlungstage im Oktober hatte Karadzic mit der Begründung boykottiert, dass ihm nicht genug Zeit für das Aktenstudium gegeben worden sei. Karadzic wollte sich ursprünglich selbst verteidigen. Wegen des Boykotts entschied das Tribunal Anfang November, den Briten Richard Harvey zum Pflichtverteidiger zu berufen. Dagegen legte Karadzic vergeblich Widerspruch ein. Sollte er seinen Boykott fortsetzen, würde Harvey die Verteidigung führen.

1. März 2010 - 14.14 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010


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