Kanzler spricht Machtwort

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Meinung Rubrik, Ladenschluss

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Was haben wir uns nicht schon alle gefreut: Endlich kann man auch noch zu später Stunde die Tiefkühlpizza kaufen oder das kühle Blonde, das man beim nachmittäglichen Einkauf vergessen hat. Doch nun... (Laden-) Schluss, aus, vorbei! Der deutsche Kanzler bestimmt schließlich die Richtlinien der Politik. Das hat Gerhard Schröder am Thema "Ladenschluss" erstmals deutlich unter Beweis gestellt. Zwar kann er allein keinen Gesetzentwurf blockieren, doch immerhin einen starken Einfluss auf seine Mannen im Bundestag ausüben. Denn: Wenn der Kanzler nicht will, geht nichts.

Da werden seit Monaten die Pferde scheu gemacht. Man debattiert, diskutiert, überlegt, will Kompromisse schließen, hat man doch endlich etwas gefunden, was wie geschmiert ins alljährliche, typische Sommerloch passt. Beinahe täglich erscheinen neue Meldungen in den Zeitungen, die die neuesten "Entwicklungen auf diesem Gebiet" frisch auf den Tisch und aus erster Hand präsentieren. Man merkte, es tut sich etwas. Deutschland will hinsichtlich der Einkaufsfreuden endlich seinen Ruf als etwas zurückgeblieben ablegen. Immerhin handhaben nur wenige Staaten dieses Thema noch eingeschränkter als wir. Doch: Wenn der Kanzler nicht will, geht nichts.

Man stelle sich vor: ein Sommerabend in Paris. Man sitzt in einem Café, palavert über die neuesten Modeerscheinungen, die Schnitte von Kleidern, Hosen, Hemden und... und stellt plötzlich fest: "Genau das will ich haben, und zwar jetzt!" Und was macht man? Losgehen und kaufen natürlich, was für eine Frage.
Man stelle sich vor: ein Sommerabend in Berlin. Man sitzt in einem Café, palavert über die neuesten Modeerscheinungen, die Schnitte von Kleidern, Hosen, Hemden und... und stellt plötzlich fest: "Genau das will ich haben, und zwar jetzt!" Und was macht man? Losgehen und kaufen natürl... - ach nein, Sch..., geht ja nicht mehr! Es ist ja schon spät - 21.00 Uhr! Denkpause. Kann das stimmen?? - na ja, wollen wir mal nicht drüber reden. Schließlich wissen wir alle: Wenn der Kanzler nicht will, geht nichts.

Alle waren sie dafür, wirklich alle. OK, die zwei, drei Ministerpräsidenten, die nicht dafür waren, vergessen wir mal eben. Aber sonst alle. Man denke nur wenige Wochen zurück: Es waren einmal einige Staatssekretäre für Wirtschaft, die rafften sich auf, ein neues Ladenschlussgesetz zu machen. Wussten sie doch, alle sind dafür. Sie zogen sich zurück in ihre Kämmerchen und - man höre und staune - kamen innerhalb relativ kurzer Zeit zu einem Ende. Ihr Entwurf: Die Innenstädte müssen (wieder-) belebt, die Öffnungszeiten ausgedehnt werden. Selbst die Regierung signalisiert Bereitschaft, ein neues Gesetz mitzutragen. Das erfrischt und motiviert. Ende September soll der Entwurf durch den Bundesrat gebracht sein, damit zum schnellstmöglichen Zeitpunkt das Thema von Tisch sein und mal Dynamik und Jugend demonstriert werden kann. Dann müsste nur noch die Regierung "Ja" sagen, und die Szene wäre im Kasten. Doch - wie wir ja gelernt haben - wenn der Kanzler nicht will, geht nichts!

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