Justiz darf weiter zu Lauschangriff auf L'Oréal-Milliardärin ermitteln
AFP VOM 14.9.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 336 Aufrufe Mehr zum Thema:Bettencourt
Bettencourts Anwälte wollten Auswertung verhindern
Nach dem "Lauschangriff" ihres früheren Butlers hat die französische Milliardärin Liliane Bettencourt vor Gericht eine Niederlage erlebt: Das Berufungsgericht Versailles befand am Dienstag, dass die zuständige Untersuchungsrichterin ihre Ermittlungen zu den Enthüllungen fortsetzen darf - neben mutmaßlichem Steuerbetrug geht es dabei vor allem um den Geisteszustand der 87-jährigen Bettencourt, der Hauptaktionärin des L'Oréal-Konzerns und reichsten Frau Frankreichs. Bettencourts Tochter wirft einem langjährigen Freund ihrer Mutter vor, deren Zustand auszunutzen und sich damit bereits über eine Milliarde Euro erschlichen zu haben.
Bettencourts Anwalt Matthieu Boccon-Gibod kündigte an, er werde gegen das Urteil des Versailler Gerichts vor den Kassationshof bringen. Die Gerichtsentscheidung sei "enttäuschend".
Bettencourts Tochter hatte den französischen Künstler François-Marie Banier vor knapp drei Jahren angezeigt. Sie will vor Gericht nachweisen, dass ihre Mutter nicht mehr zurechnungsfähig ist und dass Banier der alten Dame das Geld aus der Tasche zieht. Zu diesem Zwecke hatte sie unlängst mehrere Tonbänder zur Polizei gebracht, die ein ehemaliger Hausangestellter ihrer Mutter heimlich aufgenommen hatte. Der Butler zeichnete bis Mai ein Jahr lang Gespräche im Hause der L'Oréal-Milliardärin auf, in denen es unter anderem um Geschenke an Banier, aber auch um Schwarzgeldkonten in der Schweiz geht.
Bettencourt hatte Ende August ihr Testament geändert, in dem sie Banier als Universalerben eingesetzt hatte. Der Fotograf und Salonlöwe hätte damit nach Angaben aus ihrem Umfeld acht Prozent ihres Vermögens geerbt, das auf knapp 16 Milliarden Euro geschätzt wird. Der Großteil des Vermögens kommt durch Bettencourts 30-prozentigen Anteil an L'Oréal zustande. Rechtlich sind die Aktien aber nur noch "bloßes Eigentum", während ihre Tochter und deren beiden Söhne bereits Nutznießer sind. Ihrem Freund Banier schenkte Bettencourt im Laufe der Jahre Immobilien, Lebensversicherungen, Gemälde und Schecks im Wert von einer Milliarde Euro.
14. September 2010 - 15.36 Uhr
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