Weil er im großen Stil Juristen aus ganz Deutschland gegen Geld zum Doktortitel verholfen haben soll, muss sich ein Jura-Professor seit Mittwoch vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Die Anklage wirft dem 53-jährigen Hochschullehrer der Universität Hannover Bestechlichkeit in insgesamt 69 Fällen vor. Außerdem soll der Professor in mehreren Fällen von Studentinnen sexuelle Zuwendungen als Gegenleistung für bessere Noten gefordert und teilweise auch erhalten haben. Daher legt die Anklage dem Juristen außerdem Begünstigung zur Last.
Der Angeklagte sitzt seit September 2007 in Untersuchungshaft. Er wurde an seinem Wohnsitz Hamburg verhaftet, weil er sich nach Einschätzung des Haftrichters ins Ausland absetzen wollte. Der hochverschuldete Professor soll laut Anklage im Schnitt 4000 Euro dafür bekommen haben, dass er bei schlechten Staatsexamina seinen Ermessens- und Beurteilungsspielraum ausschöpfte, um die Promotion zuzulassen und am Ende den Titel zu vergeben. Unter den Juristen, die so zu ihrem Doktortitel kamen, sollen auch viele Rechtsanwälte und ein Richter sein.
Angeklagt sind in dem Verfahren vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer außerdem der Geschäftsführer einer Wissenschaftsberatungsgesellschaft aus Nordrhein-Westfalen, die die Kandidaten für die Promotion an den Professor vermittelt hatte, sowie eine Studentin, mit der er über mehrere Jahre eine sexuelle Beziehung unterhalten und deren Noten als Jurastudentin er im Gegenzug geschönt haben soll. Das Verfahren gegen eine weitere Studentin wurde gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.
Sollte der Hochschullehrer vor Gericht kein Geständnis ablegen, müssten alle 69 genannten Juristen vorgeladen und umfangreiche Beweismittel über ihre jeweilige Promotion vorgelegt werden. Vorsichtshalber hat das Gericht daher bereits 16 Verhandlungstage bis Ende Mai terminiert.
30. Januar 2008 - 13.50 Uhr
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