Jeanne d'Arc

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Das Recht in der Geschichte Rubrik, Jeanne, d, Arc, Hundertjähriger, Krieg

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Gottes Reckin oder Hochstaplerin?

Frankreich, 1346: Mit donnernden Hufen stürmt die französische Schwere Kavallerie auf die Reihen der englischen Landsknechte zu. In diesem Moment lassen die gefürchteten Langbogenschützen die Pfeile von ihren Sehnen schnellen. Für einen Augenblick ist der Himmel schwarz vom Hagel der englischen Geschosse, die nur Sekundenbruchteile später in die französische Formation einschlagen und erhebliche Verluste verursachen. Die Schar der Überlebenden brandet wirkungslos gegen die Linien der englischen Pikeniere.

Im 14. und frühen 15. Jahrhundert steht Frankreich mit dem Rücken zur Wand. Der seit 1338 andauernde Hundertjährige Krieg gegen die Engländer bringt den Franzosen Niederlage um Niederlage ein. Die Invasoren von der Insel mit ihren Langbogenschützen waren den französischen Rittern haushoch überlegen. Zeitweise beherrschten die Engländer fast das gesamte Frankreich. Gegenstand der Auseinandersetzung war die französische Krone, die der englische König Edward III. für sich beanspruchte und damit den Ausschlag für den Ausbruch des Krieges lieferte. Die Schlacht von Crésny 1346 wurde für die Franzosen zum Debakel. Nach einer weiteren Niederlage bei Poitiers 1356 nahm Edward III. schließlich Frankreichs König Johann II. die Krone ab. Vorerst sollte sie in englischer Hand bleiben.

1415 schien mit der verlustreichen Niederlage bei Azincourt das Schicksal der Franzosen endgültig besiegelt. Zu diesem Zeitpunkt trug der Franzose Karl VI. die Krone. Der siegreiche Engländerkönig Heinrich V. zwang Karl VI. jedoch durch den Vertrag von Troyens, ihm dessen Tochter Katharina zur Heirat zu überlassen. Die Krone sollte nach dem Tod Karls VI. an Heinrichs Sohn und somit an einen Engländer fallen. Der legitime Thronfolger, der Sohn von Karl VI., wurde mit dieser Regelung übergangen, ergab sich aber relativ widerstandslos seinem Schicksal.

Frankreichs Retterin

Der Hundertjährigen Krieg war keine zusammenhängende Folge bewaffneter Auseinandersetzungen, sondern vielmehr eine Abfolge einzelner Kriege zwischen den Franzosen und Engländern, die auf französischem Boden ausgetragen wurden. Dementsprechend war Frankreich arg gebeutelt. Das Land war verwüstet und militärisch stark geschwächt. 1412 sollte jedoch die Frau geboren werden, die Frankreich aus seiner Misere verhalf. In dem kleinen Ort Domremy-La-Pucelle an der oberen Maas kam Jeanne d'Arc, die in Deutschland unter dem Namen Johanna von Orléans bekannt ist, als Tochter einfacher Bauern zur Welt. Bereits in jungen Jahren glaubte sie, die Stimmen des Erzengels Michael zu hören, der sie anwies, Frankreich von den Engländern zu befreien und Karl dazu zu verhelfen, den französischen Thron zu besteigen.

1428 versuchte Jeanne d'Arc vergeblich, sich der französischen Armee anzuschließen. Im darauffolgenden Jahr machte sie sich nach Chinon auf, dem Sitz des Thronfolgers. Dort erwirkte sie mit Hartnäckigkeit eine Audienz. Anfangs zeigte sich Karl skeptisch angesichts ihrer Geschichte, doch ihre Inbrunst vermochte ihn zu überzeugen. Sicherheitshalber ließ er sie jedoch von den Theologen der Universität in Poitiers befragen. Die junge Französin bestand den Test und bekam Schwert und Rüstung. Karl überreichte Jeanne das königliche Lilienbanner und unterstellte ihr eine Truppe.

Erste Erfolge

1429 war die politische Situation für die Franzosen stark angespannt. Sie waren zwischen den Engländern im Norden und deren Verbündeten, den Burgundern, im Osten eingekesselt. Die letzte Grenze boten die Loire und die Stadt Orléans, die als die beste Überquerungsmöglichkeit über den Fluss galt. Die Engländer und Burgunder waren schon bis nach Orléans vorgerückt und streckten ihre Hände nun auch nach dem Süden des Landes aus. Anfang des Jahres hielten sie die Stadt in einer Belagerung umklammert. Im April 1429 eilte Jeanne d'Arc der Stadt zu Hilfe und vertrieb die Engländer. Frankreichs Soldaten ließen sich von Jeannes Sicherheit und Gottvertrauen anstecken. Die Euphorie trieb die französischen Truppen weiter. Kurze Zeit später fielen weitere Städte im Loire-Tal an die Franzosen, die ihre Wiedereroberung unter Jeanne d'Arcs Führung bis nach Châlons und Reims ausdehnten.

Am 17. Juli wurde der Thronfolger Karl in Reims zum König von Frankreich gekrönt und führte fortan den Namen Karl VII. Er gab sich mit einer teilweisen Rückeroberung Frankreichs zufrieden. Noch im gleichen Jahr schloss er einen einstweiligen Waffenstillstand mit den Burgundern. Jeanne d'Arcs Bestreben, das von den Burgundern besetzte Paris zu erobern, war damit vereitelt. Nachdem es ihr nicht gelang, Karl VII. für einen weiteren Feldzug zu begeistern, zog sie 1430 auf eigene Faust gegen Paris. Ohne zusätzliche Truppenkontigente des Königs war ihre Streitmacht jedoch zu klein und der Angriff auf die Stadt schlug fehl. Frustriert wandte sie sich nach Compiègne, wo sie das gleiche Debakel erwartete. Als ihr bei einem unkoordinierten Rückzug der Weg abgeschnitten wurde, geriet sie in die Hände der Burgunder. Ihre Weggefährten Bertrand de Poulengy und Jean de Metz mussten ihre Gefangennahme hilflos mit ansehen.

Das Ende der Jeanne d'Arc

Zwei Fluchtversuche scheiterten, unter anderem auch ein Sprung von einem 20 Meter hohen Turm. Jeanne wurde von den Burgundern für den Preis von 10.000 Franken an die Engländer verkauft, die begierig darauf waren, sie in die Hände zu bekommen. Am 21. Januar 1431 wurde sie in Rouen vor einem Inquisitionsgericht angeklagt. Hauptanklagepunkte waren Ketzerei und Ungehorsam gegen die Kirche. Den Vorsitz der Verhandlung führte der englische Bischof Pierre Cauchon. Der englische Hass und die Willkür eines Inquisitionsgerichts bestimmten das Urteil.

Inquisitionsgerichte waren ein Instrument der mittelalterlichen Rechtsprechung. Es war keine konkrete Anklage nötig, damit das Gericht tätig wurde. Oft genügte schon ein Verdacht. Inquisitionsgerichte bedienten sich der Folter zur Wahrheitsfindung, eine Methode, mit der sich nahezu jedes Verbrechen „nachweisen“ ließ. Viele der Angeklagten waren bereit, alles zuzugeben, was man ihnen in den Mund legte, um den Schmerzen der Folter zu entgehen.

Besonders zur Last gelegt wurden Jeanne die angebliche Vortäuschung der Kommunikation mit Gott durch den Erzengel Michael und das Tragen von Männerkleidung. Jeanne wehrte sich bei den Verhören tapfer und redegewandt. Cauchon vermochte es nicht, sie in Widersprüche zu verstricken. Selbst im Angesicht der Folter bekräftigte Jeanne d'Arc, alles zu widerrufen, was sie unter der Folter zugeben würde. Cauchon verzichtete daraufhin auf die Tortur.

Trotzdem zermürbte das Verfahren Jeanne. Schließlich gab sie zu, die Stimmen nur erfunden zu haben. Sie wurde zu lebenslanger Haft bei Wasser und Brot verurteilt. Kurze Zeit später widerrief sie jedoch ihre Aussage. Diesmal lautete das Urteil Tod auf dem Scheiterhaufen. Am 31. Mai 1431 wurde es auf dem Marktplatz von Rouen vollgestreckt. Jeannes Asche wurde in die Seine gestreut.

Jeanne d'Arc und die Geschichte

1435 kommt es zum Friedenschluss mit Burgund. Auf Bitten ihrer Familie wurde der Prozess gegen Jeanne d'Arc 1450 neu aufgerollt und endete diesmal zu ihren Gunsten. 1456 wurde sie von jeder Schuld freigesprochen. Ihre Ermordung sollte den Engländern kein Glück bringen. Ihr Stern begann zu sinken. In den folgenden Jahren wurden die Engländer immer weiter zurückgedrängt, bis ihnen nur noch die Stadt Calais blieb. 1453 wurde ein Friedensvertrag zwischen Engländern und Franzosen geschlossen. Die englischen Truppen zogen sich 1558 auch aus Calais zurück. 1920 sprach die Katholische Kirche Jeanne heilig.

Quellen: wissen.de, de.wikipedia.org, geschi.de

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