Iranischer Präsidentschaftskandidat erhebt Foltervorwürfe
AFP VOM 10.8.2009 | Nachrichten - International | 855 Aufrufe Mehr zum Thema:Iran, Folter
Karubi: Oppositionelle im Gefängnis vergewaltigt
Im Iran sind nach Angaben des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karubi mehrere oppositionellen Demonstranten im Gefängnis vergewaltigt worden. Junge Frauen und Männer seien in der Haft brutal misshandelt und vergewaltigt worden, schrieb Karubi in einem Brief an den einflussreichen Ex-Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani, der der Nachrichtenagentur AFP in Kopie vorliegt. Die Betroffenen litten seit den Übergriffen unter Depressionen und schweren körperlichen und seelischen Problemen, erklärte Karubi.
Der Brief ist auf den 29. Juli datiert, Karubi zögerte die Veröffentlichung jedoch hinaus, um eine Antwort abzuwarten. Rafsandschani ist Vorsitzender von zwei der mächtigsten Gremien der Islamischen Republik. Er leitet den Expertenrat, der den obersten geistlichen Führer wählt und zumindest theoretisch das Recht hat, diesen wieder abzusetzen. Außerdem sitzt er dem Schlichterrat vor, der zwischen Regierung, Parlament und dem vom Klerus beherrschten Wächterrat vermittelt. Er gilt als Erzrivale von Präsident Mahmud Ahmadinedschad und unterstützt Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi.
Bei den Protesten gegen die Wiederwahl von Ahmadinedschad im Juni waren rund 2000 Oppositionelle festgenommen worden. Derzeit müssen sich rund hundert Demonstranten vor Gericht verantworten, darunter auch die französische Universitätsdozentin Clotilde Reiss sowie iranische Angestellte der britischen und französischen Botschaft. Etwa 30 Menschen kamen nach offiziellen Angaben bei den Protesten ums Leben.
Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy dringt auf eine rasche Freilassung Reiss'. Sarkozy setze sich mehr als je zuvor bei all jenen ein, die zu einer schnellen Lösung und zur Befreiung der Französin beitragen könnten, erklärte sein Büro. Dass die 24-jährige Lektorin rasch freikomme sei "sein wichtigstes Ziel" in dieser Angelegenheit.
Die Französin hatte laut iranischen Angaben am Samstag vor dem Revolutionsgericht in Teheran zugegeben, einen Bericht über die Proteste gegen die umstrittene Präsidentenwahl im Juni verfasst und sich an Demonstrationen beteiligt zu haben. Laut Kouchner wurde sie "wahrscheinlich" zu dem Geständnis gedrängt.
Reiss war am 1. Juli verhaftet worden. Sie wurde zunächst der Spionage angeklagt, weil sie die Proteste mit ihrem Mobiltelefon fotografiert und die Bilder ins Ausland versendet haben soll. Die islamische Republik wirft ihr zudem vor, zu den Protesten nach der Wahl angestachelt zu haben.
10. August 2009 - 12.19 Uhr
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