Iran richtet iranisch-niederländische Frau wegen Drogenhandels hin
AFP VOM 30.1.2011 | Nachrichten - Allgemein | 888 Aufrufe Mehr zum Thema:Iran, Hinrichtung
Den Haag friert diplomatische Beziehungen zu Teheran ein
Nach der Hinrichtung einer iranisch-niederländischen Frau im Iran hat die Regierung in Den Haag die diplomatischen Beziehungen zu Teheran auf Eis gelegt. Das niederländische Außenministeriums erklärte am Samstag, Außenminister Uri Rosenthal sei "über die Nachricht zutiefst schockiert" gewesen. Der Iran hatte die 46-jährige Sahra Bahrami wegen mutmaßlichen Drogenhandels gehängt.
Die niederländische Regierung habe den iranischen Botschafter einbestellt und von ihm die Bestätigung des Todes der Frau erhalten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Dabei habe die iranische Botschaft noch am Freitag versichert, dass die Rechtsmittel gegen die Hinrichtung noch nicht ausgeschöpft seien. Als Konsequenz habe Den Haag alle "offiziellen Kontakte zwischen Diplomaten und Amtsträgern" beider Länder eingefroren. Rosenthal habe die Hinrichtung als "Tat eines barbarischen Regimes" bezeichnet, sagte der Sprecher.
Die iranische Botschaft betonte dagegen, die Hinrichtung Bahramis sei eine "innere Angelegenheit" des Landes. Der Fall sollte auf die bilateralen Beziehungen keine Auswirkungen haben, erklärte die Botschaft.
Bahrami wurde einem Bericht des iranischen Staatsfernsehens zufolge am Samstag gehängt. Die Teheraner Staatsanwaltschaft erklärte darin, Bahrami sei "Mitglied eines internationalen Drogenrings" gewesen und habe ihre Beziehungen zu den Niederlanden für den Schmuggel von Drogen in den Iran genutzt. Beamte hätten bei der Durchsuchung ihrer Wohnung 450 Gramm Kokain und 420 Gramm Opium gefunden. Ermittlungen zufolge habe sie 150 Gramm Kokain verkauft.
Niederländischen Medienberichten zufolge war Bahrami im Dezember 2009 in Teheran festgenommen worden, als sie in der iranischen Hauptstadt an einer Demonstration gegen die Regierung teilnahm. Anschließend wurde ihr Drogenhandel vorgeworfen. Anfang Januar dieses Jahres wurde sie schließlich zum Tode verurteilt, wie das niederländische Radio unter Berufung auf Bahramis in den Niederlanden lebende Tochter berichtete. Demnach hatte die iranische Justiz parallel zu dem Prozess wegen Drogenhandels ein Strafverfahren wegen der angeblichen Mitgliedschaft in einer bewaffneten Oppositionsgruppe gegen sie geführt, in dem ihr ebenfalls die Höchststrafe drohte.
Die niederländische Regierung hatte nach dem Todesurteil ihre "Besorgnis" ausgedrückt und Teheran zur Aufklärung über den Fall aufgefordert. Die Regierung in Den Haag kritisierte, dass ihre Botschaftsvertreter in Teheran keinen Zugang zu der Inhaftierten erhielten. Der Iran erkennt jedoch doppelte Staatsbürgerschaften nicht an und sieht die im Iran geborene Bahrami als Iranerin an.
30.01.2011 - 05:01 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2010


