Insolvenz der WGF AG

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Anleihengläubiger sind gefordert, Interessen zu bündeln

Die Insolvenz der WGF AG kam letztlich nicht überraschend. Schon seit Längerem hatte WGF AG eine schlechte Presse. Sogar von einem Schneeballsystem war die Rede. Das Misstrauen stieg, als das Unternehmen partout den Geschäftsbericht für 2011 nicht veröffentlichen wollte. Anstatt dessen wurde Insolvenzantrag gestellt.

Damit ist ein weiteres scheinbar sicheres Geschäftsmodell, welches eine risikoarme Geldanlage in Immobilie versprach, gescheitert und die Gläubiger der Hypothekenanleihen bangen um ihr Geld. Noch im September 2012 hatte die Immobiliengesellschaft Deikon GmbH, die ebenfalls Hypothekenanleihen ausgegeben hatte, beim Amtsgericht Köln Insolvenz angemeldet. Bei Deikon GmbH haben die Anleihegläubiger eine Befriedigungsquote zwischen 20 % u d 46 % zu erwarten – so der Insolvenzverwalter.

Hans G. Keitel
seit 2011 bei
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Bei beiden Pleiten verwundert, dass sie in Zeiten geschehen, welche aus der Sicht der Investoren in Immobilien als “die beste aller Welten“ anzusehen ist. Denn um hochwertige Immobilien reißt sich der Markt. Während aber bei Deikon GmbH die Ursache der Insolvenz ausschließlich in katastrophalen Mangementfehlern zu sehen sind, die auf Druck der Anleihegläubiger bekannt gemacht wurden und die sogar zu einer Schadensersatzklage gegen die ehemaligen Geschäftsführer in zweistelliger Millionenhöhe führten, liegen die Ursachen bei der WGF-Pleite eher im Dunkel.

Im Unterscheid zu Deikon GmbH möchte WGF seine Insolvenz in Eigenregie abwickeln.
Dies löst Misstrauen aus. Die Kontrolle durch einen unabhängigen Insolvenzverwalter wäre auch ein Schutz für die Anleihegläubiger. Diese Kontrolle und auch die durch einen Insolvenzverwalter geschaffene Transparenz ist bei einer Eigenverwaltung nicht im gleichen Maße gewährleistet – ein Grund weshalb Banken einer Eigenverwaltung meist widersprechen.

Die Börse, hat jedenfalls kein großes Vertrauen in diese Vorgehensweise. Die Anleihen sind noch mit 20 – 25 % des Nennwertes bewertet und verkommen zum Spekulationsobjekt.

Die Anleger fürchten nun um ihre Investition.

Zwar weisen die WGF-Anleihen auf dem Papier eine Basichherungsquote von 85 % mit erstrangigen Grundpfandrechten in Immobilien auf. Aber die Werthaltigkeit der Immobilien ist nicht bekannt.

Es stellt sich auch die Frage, warum in dem nun doch veröffentlichen Jahresabschluss für 2011 zwar Verbindlichkeiten gegenüber Anleihegläubigern von annähernd 200 Mio € ausgewiesen sind, aber gegenüber Banken nur ein symbolischer Betrag von € 325.000,-. War die WGF AG für Banken nicht finanzierbar?

Die Anleihegläubiger sollten dem Treiben in Form der Eigenverwaltung nicht einfach zusehen. Dringend sind die Interessen der Anleihegläubiger zu bündeln und nach den gesetzlichen Vorschriften des Insolvenzrechts und des Schuldverschreibungsgesetzes wirtschaftlich und rechtlich zu wahrenWGF AG ist derzeit zu bald 80 % durch die überwiegend an Privatanleger ausgegebenen Anleihen finanziert. Das heißt: In der Insolvenz der WGF AG geht es ganz wesentlich um die Interessen der Anleihegläubiger. Diese stehen im Mittelpunkt und müssen die Verwertung oder Sanierung wesentlich mitbestimmen.

Unsere Kanzlei vertritt bereits in den Fällen der Praktiker AG und Deikon GmbH jeweils mehrere hundert Anleger von (Hypotheken)-Anleihen und ist auf diese Problematiken spezialisiert.

Keitel & Keitel Rechtsanwälte
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