Ideenklau unter Kreativen

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Typischer Fall

Viele Kreativarbeiter finden es toll, dass sie ihren Job frei und selbständig ausüben können. Die Kehrseite der Medaille ist, dass sie jämmerlich verdienen und aufgrund nur geringfügig oder gar nicht vorhandener sozialer Absicherung, dem modernen Prekariat angehören. Die „Digitale Bohème“ ist vernetzt und arbeitet oft in diversen Projekten zusammen. Verträge sind dabei verpönt und Rechtsprobleme können ja notfalls umsonst in entsprechenden Internet-Foren diskutiert werden. Uncoole Anwälte, die irgendwann eingeschaltet werden müssen, wundern sich über selbstgestrickte Verträge, die es nicht selten nur mündlich gibt. Manchmal vielleicht ein paar Emails?

Ein selbständiger Anwendungsentwickler, der individuelles Webdesign anbietet, wird von einer kleinen Agentur angesprochen, die einen Auftrag für einen Kunden an der Hand hat, den sie allein nicht bewerkstelligen kann. Es gibt einige Treffen, wo die Modalitäten abgesprochen werden. Damit die Agentur sieht, wie hochwertig der Entwickler arbeitet, erstellt der einen kompletten Entwurf für die Homepage des Kunden. Die Agentur ist begeistert. Auch dem Kunden gefällt der Entwurf. Leider kann sich der Anwendungsentwickler, nachdem er den Entwurf bereits realisiert hat, wie er meint, nicht mehr mit der Agentur auf eine angemessene Vergütung einigen. Gut möglich, dass die sowieso nur vor hatten, Ideen und Konzeptentwürfe zu klauen. Denn nach 7 Monaten sieht der enttäuschte Webdesigner zufällig auf der Seite des Agenturkunden seine Arbeit umgesetzt. Lediglich das Logo wurde verschoben. Die Agentur rührt sich nicht, was das Bezahlen angeht und verändert irgendwann nur einige Elemente auf der Website des Kunden. Fragt sich, ob unser gutgläubiger Kreativer überhaupt etwas heraus bekommt außer Lehrgeld. Urheberrechtlich sind Ideen und erste Entwürfe bzw. Grundsätze in Verbindung mit Computerprogrammen und Webdesign nicht geschützt. Das ergibt sich aus § 69a UrhG (Urheberrechtsgesetz). Also kommt es darauf an, ob er beweisen kann, dass er die Website maßgeblich gestaltet und ein Werk erstellt hat. Greift das Urheberrecht nicht ein, kann womöglich auf das Wettbewerbsrecht zurück gegriffen werden. Das kommt immer auf den Einzelfall an. Der Webdesigner muss beweisen, was er tatsächlich gemacht hat, wenn er keinen schriftlichen Vertrag besitzt. Was das Honorar angeht, gilt das Schuldrecht. Er muss glaubhaft erklären, dass er bereits im Auftrag gehandelt und nicht nur im Vorfeld eines Vertragsverhältnisses „Akquise“ betrieben hat.

Letter of Intent

In vielen Projekten gibt es folgenden Ablauf: Verhandlungsphase, Konzeptphase, Entwurfsphase und Herstellungsphase. Überschneidungen sind möglich. Da vor dem Abschluss von Verträgen viel Zeit bei der Erstellung von Vorschlagslisten und Entwürfen aufgewendet wird, entsteht häufig ähnlich wie bei Architekten in der Vorentwurfsphase Streit darüber, ob diese Leistungen zu vergüten sind. Was ist, wenn es dann doch nicht zum Auftrag kommt? Es sollte besser frühzeitig ein Letter of Intent erstellt werden, in dem schriftlich geregelt ist, wie die nicht unerheblichen Vorleistungen zu honorieren sind. Ein „Letter of Intent“ ist heutzutage eine sinnvolle vorvertragliche Vereinbarung, die beiden Seiten mehr Sicherheit gibt und grundsätzlich frei formulierbar ist. Unserem Webdesigner sind 3000 Euro entgangen und er musste obendrein mit ansehen, wie sein Konzept geklaut wurde. Dafür hätte sich der Weg zum Anwalt oder die rechtzeitige Online-Rechtsberatung tatsächlich gelohnt, oder? Auch Kreativarbeiter in künstlerischen Berufen brauchen eine Grundausstattung eigener Vertragsmuster und Formschreiben. Für Projekte aller Art gilt, wer Vertragsvorschläge zuerst machen kann und dadurch Kompetenz und Vertrauen erzeugt, kommt auch zu seinem Geld.

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