Die Vorsitzende des französischen Hotel- und Gaststättenverbandes (UMIH), Christine Pujol, darf sich mit richterlicher Erlaubnis weiter in ihrem Büro verschanzen: Ein Pariser Gericht lehnte einen Eilantrag von Pujols Gegnern ab, die die Verbandschefin aus den Räumen klagen wollten. Bislang störe Pujol dort niemanden, erklärten die Richter. Ein Anwalt der 61-Jährigen sagte, seine Mandantin werde ihre Büroräume im Laufe des Tages aber freiwillig verlassen und am Montag in die Verbandszentrale zurückkehren; dann wolle sie "ihre Mission" fortsetzen.
Pujol verschanzt sich seit Mittwoch vergangener Woche mit einer Mitarbeiterin in ihrem Büro in der Nähe der Champs-Elysées, weil sie sich gegen ihre Absetzung im vergangenen November widersetzt - nach Einschätzung der Verbandschefin war die Abstimmung der Gastwirte und Hoteliers nicht rechtens. Mit Lebensmitteln versorgt werden die beiden Frauen von Freunden über einen aus dem Fenster herabgelassenen Korb.
Entbrannt war der Machtkampf zwischen den Verbandsmitgliedern und ihrer Vorsitzenden ausgerechnet nach einem wichtigen Erfolg für die Branche - der Einführung eines ermäßigten Mehrwertsteuersatzes, den innerhalb der Europäischen Union vor allem Deutschland jahrelang verhindert hatte. Die Gastwirte und Hoteliers hatten sich verpflichtet, den niedrigen Steuersatz durch Preissenkungen an ihre Kunden weiterzugeben, gerieten aber in Kritik, weil auch Monate später kaum etwas davon zu merken war. Pujols Gegner werfen der Verbandschefin vor, sie habe sie nicht ausreichend gegen die Kritik verteidigt.
19. März 2010 - 16.22 Uhr
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