Hochrangige Ex-Generäle in der Türkei festgenommen
AFP VOM 22.2.2010 | Nachrichten - International | 828 Aufrufe Mehr zum Thema:Türkei, Umsturz
CNN-Türk: Insgesamt 48 Festnahmen
In einer beispiellosen Aktion hat die türkische Polizei am Montag die ehemaligen Kommandeure der Luftwaffe und der Marine des Landes wegen des Verdachts auf Verwicklung in Umsturzpläne festgenommen. Insgesamt seien 48 Personen in mehreren Landesteilen auf Anordung der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft in Polizeihaft genommen worden, meldete der Nachrichtensender CNN-Türk.
Generalstabschef Ilker Basbug sagte wegen der Festnahmewelle eine Reise nach Ägypten in letzter Minute ab. Unter den Festgenommenen waren laut CNN-Türk sieben aktive und sieben pensionierte Militärs. Ex-Luftwaffenchef Imbrahim Firtina und Ex-Marinechef Özden Örnek waren bereits im Dezember wegen mutmaßlicher Putschpläne gegen die religiös-konservative Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan staatwanwaltschaftlich verhört worden. Die Anklagebehörde ermittelt gegen mehrere Dutzend aktive und pensionierte Offiziere wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in dem rechtsgerichteten Geheimbund Ergenekon, der einen Staatsstreich gegen Erdogan geplant haben soll.
Neben Firtina und Örnek wurden noch weitere hochrangige Generäle in Gewahrsam genommen; mehrere Ex-Offiziere wurden am Nachmittag zur Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft von Ankara nach Istanbul geflogen. Häuser einiger Verdächtiger und das Gebäude einer zur Armee gehörenden Stiftung wurden von der Anti-Terror-Polizei durchsucht. Erdogan, der sich derzeit zu einem Besuch in Spanien aufhält, lehnte einen Kommentar zu den Festnahmeaktionen ab. Das sei Sache der Justiz, sagte er.
Zuletzt hatten Berichte über Planspiele an der Kriegsakademie der Armee für Aufsehen gesorgt. In einem Szenarium mit dem Namen "Vorschlaghammer" sollen die Soldaten einen Umsturz der Regierung und die Festnahme tausender Regierungsanhänger durchgespielt haben. Die Armee hatte die Vorwürfe bestritten und betont, das Zeitalter der Staatsstreiche sei vorbei. Regierungsgegner werfen Erdogan vor, die Ergenekon-Ermittlungen zur Schwächung der Armee und politischer Gegner zu benutzen.
Die Militärs sehen sich als Wächter über die säkulären Werte und betrachten Erdogans Regierung mit Misstrauen. Seit 1960 sind vier Regierungen in der Türkei von den Generälen von der Macht verdrängt worden.
22. Februar 2010 - 15.57 Uhr
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