Hilfe, ich bin geblitzt worden! Was nun?

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Verkehrsrecht Rubrik, Blitzer, Geschwindigkeitsmessung, Radar, Radarfalle

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Von Rechtsanwalt Jan Nesselrath

Wer kennt diese Situation nicht? Man lässt beim Autofahren den Tag noch mal an sich vorüberziehen, ist unaufmerksam und plötzlich blitzt es. Eine Radarfalle. Dann folgt die Ungewissheit: Ist man wirklich zu schnell gefahren? Und wenn ja, wie viel zu schnell?

Einige Zeit später kommt dann der Bußgeldbescheid, der neben einer Geldbuße noch ein Fahrverbot enthält. Der schlimmste Fall ist also eingetreten. Aber ist man denn wirklich so schnell gefahren wie auf den Bußgeldbescheid angegeben?

Bei Zweifeln an den in dem Bußgeldbescheid gemachten Angaben, wie z.B. der gemessenen Geschwindigkeit, sollten Sie auf jeden Fall einen Anwalt aufsuchen, der sich mit dem Verkehrsordnungswidrigkeitsrecht befasst.

Denn es kommt nicht selten vor, dass eine Geschwindigkeitsmessung nicht ordnungsgemäß durchgeführt wird. Schon bei kleinsten Bedienungsfehlern der Messgeräte kann die gemessene Geschwindigkeit in einem ganz erheblichen Maße von der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit abweichen. Zudem arbeiten die eingesetzten Messgeräte nicht immer einwandfrei. Diese Fehlerquellen wird ihr Anwalt dann aufzeigen und Sie auf diese Weise gegebenenfalls vor einer Geldbuße oder einem Fahrverbot bewahren. Auf jeden Fall hat ihr Anwalt aber die Möglichkeit, bei der zuständigen Behörde die Verfahrensakte über Ihrem „eventuellen“ Geschwindigkeitsverstoß anzufordern und die darin enthaltenen Unterlagen auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von eingesetzten Geschwindigkeitsmessgeräten, die hier nicht im Rinzelnen vorgestellt werden können. Ein sehr beliebtes Gerät ist aber das „Multanova VR 6F“ ( Radarmessgerät ), da es als sehr zuverlässig gilt. Jedoch gibt es auch hier immer wieder Fehlmessungen, die auf fehlgeleitete Reflexionen des Radarstrahls, z.B. von Leitplanken etc., zurückzuführen sind. Zudem ist beim Einsatz dieses Gerätes zwingend darauf zu achten, dass der PKW, in dem das Messgerät installiert ist, absolut parallel zur Fahrbahn ausgerichtet ist. Darüber hinaus kann dieses Gerät auf die Empfindlichkeit „nah“, „mittel“ oder „fern“ eingestellt werden. Bei einer zweispurigen Straße sollte regelmäßig „nah“ eingestellt sein, da ansonsten nicht ausgeschlossen werden kann, dass verfälschte Messwerte angezeigt werden. Die Einzelheiten kann ihr Anwalt aber dem in der Verfahrensakte enthaltenen Messprotokoll entnehmen.

Ein sehr „beliebter“ Fehler bei polizeilichen Messverfahren ist auch, dass beim Aufstellen der Messgeräte gegen die Polizeirichtlinien für Geschwindigkeitsmessungen verstoßen wird. Solche internen Richtlinien existieren für jedes Bundesland und sind aufgrund des Grundsatzes der Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer für die die Messung durchführenden Polizeibeamten bindend. Obwohl die Richtlinien in jedem Bundesland anders ausgestaltet sind, enthalten sie immer wichtige Toleranzgrenzen. So ist z.B. vorgesehen, dass in einem Bereich von 150 bis 200 m vor oder hinter Ortsschildern keine Geschwindigkeitsmessung durchgeführt werden soll. Zudem gibt es in einigen Bundesländern die Vorgabe, dass eine Messung erst in einer Entfernung von 150 bis 200 m vom Anfang oder Ende einer Geschwindigkeitsbeschränkung stattfinden darf. Wobei eine Entfernung von nur 100 m genügt, wenn die Geschwindigkeit zuvor stufenweise herabgesetzt wurde.

Neben den oben vorgestellten Messfehlern gibt es noch eine Vielzahl von anderen Fehlern, auf die Sie ihr Anwalt fallabhängig aufmerksam machen wird. Sie sehen also, dass Ihre Lage keineswegs aussichtslos ist, wenn Sie geblitzt worden sind.

Denn selbst wenn Sie wirklich zu schnell gefahren sind und ein Fahrverbot ins Haus steht, kann Ihr Anwalt in begründeten Fällen, z.B. wenn es um Ihre berufliche Existenz geht, erreichen, dass gegen eine Erhöhung der Geldbuße von einem Fahrverbot abgesehen wird. Lassen Sie sich einfach beraten. In den meisten Fällen wird die Anwaltskosten sogar Ihre Verkehrsrechtsschutzversicherung übernehmen. Aber auch das wird ihr Anwalt gerne für Sie klären.

Wenn Sie sich jedoch zunächst einmal nur über Ihre individuellen Möglichkeiten beraten lassen möchten, nutzen sie doch einfach die bequeme „Online- Beratung“ ( die Kosten dafür werden jedoch nicht von der Versicherung getragen ).