Hamburg: Bericht zu Überweisungen der Terrorzelle
AFP VOM 4.12.2002 | Nachrichten - Aktuelle Prozesse | 23112 Aufrufe Mehr zum Thema:Motassadeq
- Zeugin: EC-Karten-Nutzung durch Motassadeq nicht nachweisbar
Eine Beamtin des Bundeskriminalamtes (BKA) hat im Prozess gegen den mutmaßlichen "Statthalter" der Hamburger Terrorzelle, Mounir El Motassadeq, über auffällige Geldtransaktionen der Hamburger Terrorzelle berichtet. Wiederholt seien mit einer EC-Karte an Geldautomaten mehrere Tausend Mark vom Hamburger Konto des Todespiloten Marwan Alshehhi in bar abgehoben und "zeitnah" auf einem Konto des mutmaßlichen Organisators der Anschläge, Ramzi Binalshibh, wieder eingezahlt worden, sagte die Zeugin vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg.
Über das Alshehhi-Konto hatte der 28-jährige Angeklagte eine Vollmacht. Laut Anklage diente es als "Finanzierungstopf" der Hamburger Zelle. Der Zeugin zufolge wurden beispielsweise im August 2000 vom Alshehhi-Konto 4900 Mark (rund 2500 Euro) abgehoben und wenig später 4800 Mark auf Binalshibhs Hamburger Konto eingezahlt. Diese 4800 Mark habe Binalshibh dann kurz darauf an eine Flugschule in den USA überwiesen.
Die Bundesanwaltschaft wirft Motassadeq vor, dass er Konto-Angelegenheiten für die Hamburger Gruppe regelte und damit ein "wesentliches Rädchen" bei der Vorbereitung der Anschläge war. Der Angeklagte bestreitet jedoch, die EC-Karte besessen zu haben, mit der das Geld an Automaten abgehoben wurde. Nach Angaben der BKA-Beamtin ist nicht mehr nachweisbar, wer mit der EC-Karte die Barabhebungen an den Automaten vornahm. Denn entweder habe es dort keine Videokameras gegeben oder die Aufzeichnungen seien längst gelöscht.
Auf Nachfrage der Verteidigung bestätigte das Gericht, dass auch während Motassadeqs Afghanistan-Reise im Sommer 2000 auffällige Barabhebungen mit der EC-Karte stattfanden. Die Einzahlungen auf Binalshibhs Konto hätten meist dessen eigene Unterschrift getragen. Motassadeq steht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen vor Gericht.
6. November 2002 - 13.22 Uhr
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