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Haitianer verteidigen US-Baptisten gegen Entführungsverdacht

AFP VOM 8.2.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 516 Aufrufe
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Kindesraub

Dorfbewohner aus Callebasse würden Kinder "wieder weggeben"

Mehrere Eltern der angeblichen haitianischen Waisen haben den Versuch von US-Baptisten verteidigt, ihre Kinder außer Landes zu bringen. Wie Bewohner der Stadt Callebasse am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP erzählten, gaben sie ihre Kinder freiwillig weg - und würden es wieder tun. Der Anwalt der zehn unter dem Verdacht der Kindesentführung inhaftierten Baptisten legte unterdessen nach eigenen Angaben sein Mandat nieder.

"Ich würde meinen Sohn am liebsten wieder weggeben", sagt der 36-jährige Bauer Anchello Cantave AFP. "Für unsere Kinder ist es besser, mit Fremden in einem fremden Land zu leben." Auch Fritzian Valmont erzählt, nach einem Gespräch mit seiner Frau habe er sich entschieden, die mittlere ihrer drei Töchter den Baptisten zu übergeben. "Die Amerikaner nahmen die Kinder mit unserer Erlaubnis; hätten sie einen größeren Bus gehabt, wären noch mehr mitgefahren", sagt er. Auch Saurentha Muran trennte sich schweren Herzens von ihrer Tochter Ansitho, um ihr ein besseres Leben zu ermöglichen. Die 25-Jährige versichert, die Baptisten hätten für die Kinder kein Geld gezahlt.

Callebasse liegt rund eine Autostunde von Port-au-Prince in einem Berggebiet. Dort wurden durch das Erdbeben vom 12. Januar rund 50 Häuser zerstört. In der Nähe befindet sich die Baptisten-Mission von Quisquella. Die zehn Mitglieder der Organisation New Life Children's Refuge wurden am 29. Januar bei dem Versuch festgenommen, die Kinder im Alter zwischen zwei Monaten und 14 Jahren ohne Papiere über die Grenze in die Dominikanische Republik zu bringen. Sie behaupteten, ihre Schützlinge seien ausschließlich Waisen. Später stellte sich jedoch heraus, dass viele von ihnen noch Eltern haben. New Life Children's Refuge versichert, die Baptisten hätten in bester Absicht gehandelt.

Der Anwalt der Baptisten, Edwyn Coq, legte nach eigenen Angaben aus Verärgerung über deren Angehörige sein Mandat nieder. Die Familien hätten behauptet, er habe Geld zur Bestechung des Richters gefordert, sagte Coq. Außerdem habe er trotz der Zusicherung von 60.000 Dollar (44.000 Euro) bislang keinerlei Honorar erhalten. Auf seine schriftliche Drohung vom Samstag, sein Mandat niederzulegen, hätten sie zunächst nicht reagiert.

Unterdessen droht den Erdbebenopfern neue Gefahren durch die in den nächsten Wochen erwartete Regenzeit. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen leben 460.000 Haitianer in Not-Lagern, in denen sich leicht Seuchen ausbreiten können. Durch das Erdbeben kamen nach Angaben der Regierung in Port-au-Prince rund 212.000 Menschen ums Leben, mehr als 300.000 weitere wurden verletzt. Rund zwei Millionen Haitianer wurden obdachlos. Die Verteilung von Zelten kommt nur schleppend voran. Die UNO hat in ihren Lagern noch 16.000 Zelte, 10.000 wurden an die Bevölkerung übergeben.

8. Februar 2010 - 15.06 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010


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