Haiti rätselt über politische Absichten von Ex-Diktator Duvalier
AFP VOM 20.1.2011 | Nachrichten - Allgemein | 929 Aufrufe Mehr zum Thema:Duvalier, Haiti
Vertraute bringen mögliche neue Präsidentschaft ins Spiel
Nach der plötzlichen Heimkehr von Haitis Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier rätseln die Menschen in dem Karibikstaat über die politischen Absichten des vor einem Vierteljahrhundert geschassten Machthabers. Während Vertraute Duvaliers am Mittwoch eine mögliche Rückkehr an die Staatsspitze ins Gespräch brachten, dementierte der "Baby Doc" genannte 59-Jährige, in das Chaos um die aktuelle Präsidentenwahl eingreifen zu wollen.
In einer Erklärung wies Duvalier "alle politischen Stellungnahmen" von Getreuen zurück, die "auf Szenarien im Zusammenhang mit dem Wahlprozess anspielen". Er schloss aber nicht aus, künftig eine politische Rolle in Haiti zu übernehmen. Zuvor hatte sein Anwalt Reynold Georges gesagt, Duvalier werde "für immer" in Haiti bleiben und sich in die Politik einbringen. Das sei "sein Recht".
Duvaliers Sprecher Henry Robert Sterlin war noch einen Schritt weitergegangen. Es müsse "alles auf den Kopf gestellt" werden, damit der erste Wahlgang der Präsidentschaftwahlen von Ende November annulliert werde, forderte er. Dann müsse es Neuwahlen unter Beteiligung Duvaliers geben. Der umstrittene Ausgang des ersten Wahlgangs hatte gewalttätige Proteste ausgelöst und zu einer Verschiebung der Stichwahl auf unbestimmte Zeit geführt. Experten der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) stellten massiven Wahlbetrug fest.
Duvalier war am Sonntag überraschend aus dem französischen Exil zurückgekehrt. "Baby Doc" hatte 1971 im Alter von 19 Jahren die Macht in Haiti von seinem Vater François "Papa Doc" Duvalier geerbt. Bis zu seinem Sturz 1986 soll er mit seinen Getreuen hunderte Millionen Dollar an Staatsgeldern veruntreut haben. Die dem Duvalier-Clan treu ergebene Geheimpolizei Tonton Macoutes soll bis zu 30.000 Regierungskritiker entführt, gefoltert und ermordet haben.
In Haiti laufen seit Dienstag Ermittlungen wegen Korruption und Veruntreuung gegen Duvalier. Am Mittwoch strengten vier Haitianer zudem ein Strafverfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit an. Duvaliers Anwalt Georges protestierte gegen die Ermittlungen, da die Straftaten bereits verjährt seien.
Unterdessen bekundete auch der im südafrikanischen Exil lebende Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide sein Interesse, nach Haiti zurückzukehren. "Das haitianische Volk hat nicht aufgehört, meine Rückkehr zu fordern", sagte Aristide der Nachrichtenagentur AFP. Er sei bereit, "heute, morgen oder zu jedem Zeitpunkt" wieder in seine Heimat zu kommen.
Aristide war Haitis erster gewählter Präsident und ist insbesondere bei den ärmsten Haitianern beliebt. Die Opposition warf ihm während seiner zweiten Amtszeit "mafiöse Entgleisungen" vor, im Jahr 2004 wurde er gestürzt. Nach Angaben von Menschenrechtlern hatte die haitianische Regierung es zuletzt abgelehnt, Aristide einen neuen Pass auszustellen.
Haiti war vor einem Jahr von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht worden, bei dem rund 250.000 Menschen getötet wurden. Der Wiederaufbau kommt kaum voran, Mitte Oktober brach in dem Karibikstaat auch noch die Cholera aus. Nach aktuellen Angaben des Gesundheitsministerium starben an der Seuche bislang 3889 Menschen.
20.01.2011 - 13:01 Uhr


