Haftung bei Sportverletzungen

Mehr zum Thema:

Sportrecht Rubrik, Haftung, Sportunfall, Sportverletzung

4,43 von 5 Sterne
Bewerten mit: 5 Sterne 4 Sterne 3 Sterne 2 Sterne 1 Stern
7

Individualsport

Haftung von Sportlern untereinander

Das Prinzip ist einfach: wer sich bei der Ausübung eines Sports verletzt, hat den Schaden selbst zu tragen . Natürlich ist die Abwälzung auf einen Versicherer möglich, falls eine Versicherung vom Sportler, Verein oder Veranstalter abgeschlossen wurde.
Schadensersatz kann von einem anderen Sportler nur dann gefordert werden, wenn dieser die Verletzung verschuldet hat. Die Voraussetzungen, ob ein Verschulden vorliegt, ist bei einer Individualsportart anders zu beurteilen als bei einer Sportart, die gegeneinander ausgeübt wird.

Erfasst werden von dieser Bezeichnung Sportarten, die nebeneinander und im Normalfall ohne körperlichen Kontakt zu anderen Sportausübenden betrieben werden, z.B. Skilaufen, Leichtathletik, Reiten, Turnen, Schwimmen.

Jeder Sportler hat bei Individualsportarten grundsätzlich die Pflicht, sich so zu verhalten, dass er niemanden gefährdet oder schädigt. Wann die Grenzen zu einer Gefährdung überschritten sind und damit eine Pflichtverletzung vorliegt, ist schwer zu beurteilen. Von den Gerichten werden deshalb meist die von Sportverbänden aufgestellten Regularien als Maßstab genommen.
So gilt es im Skisport, die FIS-Regeln (Internationale Skiverband) zu beachten, oder beim Golf die internationalen Golfregeln und die sog."Etikette" zu wahren. Verstößt der Sportler gegen die allgemeingültigen Regularien, kann meistens gleichzeitig davon ausgegangen werden, dass er seine Pflichten verletzt hat und ein Verschulden gegeben ist.

Sport "Gegeneinander"

Treffen die Sportler unmittelbar aufeinander, müssen andere Regelungen in Betracht gezogen werden. Das ist der Fall bei Rückschlagsportarten ( z.B. Tennis, Squash, Badminton), Mannschaftssportarten (Basketball, Fußball etc.) und insbesondere bei Kampfsportarten (z.B. Boxen, Judo).

Meist sind international festgelegte Spielregeln einzuhalten, die bezwecken, das Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten ohne dabei den Wettkampfcharakter des Sports abzuschaffen. Andererseits sind bei engem körperlichen Kontakt Verletzungen unvermeidlich und Gefährdungen sogar von den Spielregeln teilweise zugelassen.
Grundsätzlich braucht ein Sportler nicht zu haften, wenn er sich an die Spielregeln gehalten hat. Aber selbst wenn die Regeln übertreten wurden, führt das nicht automatisch zu Ansprüchen des Verletzten. Mit einer sog. "sport-typischen" Übertretung der Spielregeln muss jeder Sportler rechnen und daher auch das Risiko einer Verletzung eingehen. "Sport-typisch" sind Regelwidrigkeiten, die nahezu jeder Sportausübende selbst begeht und folglich auch bei sich selbst in Kauf nehmen muss. Von Gerichten wird immer wieder betont, dass damit der Charakter einer kampfbetonten Sportart erhalten bleibt. Klassisches Beispiel ist der Kampf um den Ball beim Fußball: Im Normalfall wird von allen Sportlern dabei eine gewisse Härte angewandt. Fouls passieren und gehören mit dazu.

Sollte die Regelübertretung allerdings besonders grob sein, muss eine Haftung des Verletzers in Betracht gezogen werden. Die Entscheidung darüber ist vom Gericht im Einzelfall zu treffen. Das OLG München hat z.B. das Verschulden eines Torwarts festgestellt, der "in Art eines Weitspringers mit vorgestreckten Beinen in Kniehöhe gegen das rechte Standbein eines Stürmers gesprungen war, ohne eine Chance gehabt zu haben, den Ball zu treffen".

1234
Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Haftung bei Sportverletzungen - Worum es geht
Seite  2:  Haftung von Sportlern untereinander
Seite  3:  Haftung der Sportveranstalter
Seite  4:  Haftungsausschluss und Beweisfragen
Seite  5:  Beispielfälle
Diskutieren Sie diesen Artikel
Das könnte Sie auch interessieren
Haftpflicht, Schadensersatz Die wichtigsten Probleme im Schadensersatzrecht
Sportrecht Sportrecht - Worum es geht
Vor Gericht OLG bestätigt Urteil wegen fahrlässiger Tötung bei Mountainbike-Rennen