Haftet ein Domain-Hoster für Ausfallzeiten?

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Welche Ansprüche kann ein betroffener Kunde gegen seinen Domain-Hoster geltend machen?

Im konkreten Fall garantiert Strato laut AGB eine Verfügbarkeit der Server von 99% im Jahr - das heißt, Strato kann sich pro Kunde einen Ausfall von drei Tagen und 15 Stunden jährlich erlauben und haftet erst bei längeren Ausfallzeiten für das Fehlen einer zugesicherten Eigenschaft. Für nur kurzfristige Ausfälle und Probleme hat das Unternehmen also seine Haftung ausgeschlossen. Dies ist völlig legitim und wird von vergleichbaren Internetdienstleistern in der Regel genauso gehandhabt.

Darüber hinaus haftet Strato nur für vorsätzlich oder grob fahrlässig verursachte Schäden. Der Kunde müsste daher beweisen können, dass Strato seine Sorgfaltspflicht vorsätzlich oder grob fahrlässig missachtet hat und es dadurch zu dem Serverausfall oder eventuell zu Datenverlusten gekommen ist. Ein unverschuldeter Stromausfall begründet jedoch keine grobe Fahrlässigkeit. Allenfalls ein Fehlen von Sicherheitsvorkehrungen nach dem neusten Stand der Technik zur Vermeidung eines Ausfalls könnte grob fahrlässig sein. Dieses lässt sich aber nur schwer beweisen.

Einige Strato Kunden sind letzte Woche wahrscheinlich länger als drei Tage und 15 Stunden offline gewesen. Um deswegen Schadenersatz zu verlangen, muss ihnen durch den Ausfall der Website ein konkreter Schaden entstanden sein.
Ein Schaden, weil die Internetpräsenz nicht erreichbar ist? Dies ist in der Regel nur bei Geschäftskunden der Fall. Private Homepages arbeiten in den meisten Fällen nicht umsatzorientiert. Denkbar ist daher ein Schadenersatz, wenn der Geschäftskunde nachweisen kann, dass er während der Ausfallzeiten im Vergleich zu einem normalen Geschäftstag weniger oder gar keinen Umsatz gemacht hat. Klassische Beispiele sind Online-Shops, bei denen während eines Ausfalls nichts gekauft werden kann, oder Dienstleister, die keine Aufträge bekommen, während ihre Internetpräsenz offline ist. Denn auch ein dem Kunden entgangener Gewinn, etwa dadurch, dass Geschäftsverbindungen nicht zustande gekommen sind, ist ersatzfähig, jedoch in der Praxis schwer beweisbar.

Dem Privatkunden, der keinen konkret bezifferbaren Schaden hat, bleibt nur die Möglichkeit, seinen Vertrag fristlos zu kündigen und eventuell im Voraus bezahlte Gebühren für die Ausfallzeiten zurückzufordern.

Strato selbst meldet, dass der jüngste Ausfall auf ein strombedingtes Abschalten von Speichersystemen des US-Herstellers EMC zurückzuführen sei. Schadenersatzforderungen von Kunden wollen sie an EMC weiterleiten, ein eigenes Verschulden bzw. einen Defekt von Strato-eigenen Speichersystemen schloss der Provider aus.

Es bliebt zu hoffen, dass die Server der Domain-Hoster zuverlässiger werden, damit es nicht wieder zu solchen langen Ausfallzeiten kommt. Strato hat bereits angekündigt, seine Server und die Sicherheitstechnik einer umfangreichen Kontrolle zu unterziehen.

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