Guerilla-Werbung: BankSPAM und GeldSPAM

Mehr zum Thema:

Wettbewerbsrecht Rubrik, Werbung, Spam, Geldspam, Bankspam

4,25 von 5 Sterne
Bewerten mit: 5 Sterne 4 Sterne 3 Sterne 2 Sterne 1 Stern
4

BankSPAM: Werbung auf dem Kontoauszug

Auf den Konten bei den Banken wird das Buchgeld verwaltet. Das geschätzte Vermögen der Deutschen wird auf mehrere Billionen Euro geschätzt. Folgendes Szenario soll auf eine interessante Methode der Werbung aufmerksam machen:

Eine Firma macht Werbung für ihre Produkte, indem sie die auf legale Weise, z.B. durch Erteilung von Einzugsermächtigungen erhaltenen Bankverbindungen gebrauchen, um gelegentlich kleinere Beträge ab einen Cent auf die Konten der Kunden zu überweisen. In den entsprechenden Vermerken zu den Kontobewegungen sieht der Kunde später eine Internetadresse oder einen kurzen prägnanten Werbeslogan auf seinem Kontoauszug. Die Firma erhofft sich dadurch Umsatzsteigerungen ihrer Produkte.

Das Szenario ist von mir frei erfunden und wird im Folgenden als BankSPAM bezeichnet. Meines Wissens hat noch kein deutsches Gericht über diese Form der Werbung geurteilt. Auch aus der Literatur ist mir kein Beispiel zu BankSPAM bekannt geworden. Das liegt wohl daran, dass sich bisher keine Werbeagentur oder Unternehmen dieser freigiebigen, aber auch fragwürdigen Form der Werbung bedient hat.

Interessant ist aus rechtlicher Sicht, ob diese Form der Werbung verboten bzw. unlauter ist. Die Frage werde ich hier nicht verbindlich beantworten und belasse es bei den nachfolgenden Hinweisen. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit werden Konkurrenten gegen BankSPAM, z.B. mit Abmahnungen vorgehen. Der Vergleich zu den bekannten Lockvogelangeboten hinkt. Es drängt sich jedoch die Frage auf, wie groß der psychologische Kaufzwang beim Verbraucher wird, das durch BankSPAM erhaltene Geschenk auch bei dem Unternehmen zu "reinvestieren". Ein andere Frage wäre, wie sich die Banken verhalten. Es gibt berechtigte Interessen, im Bankverkehr mit Ressourcen sparsam umzugehen, um die bestehende Sicherheit im bargeldlosen Wirtschaftskreislauf zu wahren. Hat ein Bankkunde Unterlassungsansprüche gegen die "aufgedrängte Bereicherung"? Es ist nachvollziehbar, dass BankSPAM für manche Menschen ein Ärgernis sein wird, wenn sich im Laufe eines Jahres die Anzahl der Kontoauszüge verdoppelt, weil tausendmal ein Cent überwiesen wurde.

Es bleibt abzuwarten, wer zuerst den Schritt wagt und seine Kunden mit Bargeld beschenkt in der Hoffnung, dass sich diese durch BankSPAM im Kontoauszug in ihrer Kaufentscheidung beeinflussen lassen. Für kleinere Unternehmen, die Fernabsatzgeschäfte tätigen und von einer Masse kleinerer Gewinnmargen existieren, könnte BankSPAM lukrativ sein. Massenüberweisungen sind oftmals kostengünstiger als Werbekampagnen.

Es wäre m.E. durchaus legitim, Kunden allein mit dem Versprechen zu locken, sich ähnlich wie zu einem Newsletter mit einer Bankverbindung anzumelden, damit in Zukunft kleinere Beträge mit BankSPAM überwiesen würden – vorausgesetzt die Versprechen werden eingehalten und die Daten nicht missbraucht.

Mich würde auch interessieren, wie andere Juristen und Wirtschaftswissenschaftler über diese Thematik denken. Anregungen und Bemerkungen sind ausdrücklich erwünscht.

123
Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Guerilla-Werbung: BankSPAM und GeldSPAM
Seite  2:  GeldSPAM: Werbung auf Geldscheinen
Seite  3:  BankSPAM: Werbung auf dem Kontoauszug
Diskutieren Sie diesen Artikel
Das könnte Sie auch interessieren
Verfahrensrecht Sie sind durch eine Straftat verletzt und wollen Ihr Geld zurück? Adhäsion!