Grundlagen zum Jugendstrafrecht

Mehr zum Thema:

Strafrecht Rubrik, Jugendstrafrecht

0 von 5 Sterne
Bewerten mit: 5 Sterne 4 Sterne 3 Sterne 2 Sterne 1 Stern
0

Das Jugendstrafrecht ist durch den Erziehungsgedanken geprägt. Dazu muss das Gericht nicht nur die Persönlichkeit des Jugendlichen oder des Heranwachsenden erforschen, sondern auch eine Prognoseentscheidung treffen, was für den Jugendlichen / Heranwachsenden die beste Maßnahme ist. Gerade auf die Prognoseentscheidung kann durch eine frühe anwaltliche Beratung und Vertretung entscheidend zugunsten des Betroffenen Einfluss genommen werden. Von der Prognose hängt häufig ab, ob eine Jugendstrafe überhaupt, mit oder ohne Bewährung verhängt wird.

Das Jugendstrafrecht hat sich aus der Erkenntnis entwickelt, dass Jugendliche erst ab einer gewissen Reife fähig sind, das Unrecht einer Tat einzusehen und dieser Einsicht gemäß zu handeln (vgl. § 3 JGG).

Der Grundgedanke des Jugendstrafrechts ist die entwicklungspsychologisch und soziologisch gesicherte Erkenntnis, dass ein Teil der Jugendlichen und Heranwachsenden, gleichgültig welcher Gesellschaftsschicht sie angehören, bis zur Entwicklung zum Erwachsenen immer wieder gegen geltende Gesellschaftsnormen verstoßen. Mittels eines breiten Sanktionskatalogs kann auf die Jugendlichen und Heranwachsenden entsprechend dem jeweiligen Entwicklungsstand und der Person des Täters, sowie der Art und Schwere des Normverstoßes mit der Einstellung des Verfahrens, einer Ermahnung, Arbeitsauflagen, Kursprogrammauflagen, Jugendarrest und letztlich mit einer Jugendstrafe reagiert werden. Hierdurch soll der Betroffene zur Einhaltung der Gesellschaftsnormen erzogen werden. Eine übermäßige, entwicklungsverzögernde oder schädigende Bestrafung soll primär im individuellen und mittelbar auch im gesellschaftlichen Interesse unterbleiben.

Das erforderliche Vermögen, zwischen Recht und Unrecht der Tat zu unterscheiden oder die Fähigkeit, der Einsicht entsprechend zu handeln, ist nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) in jedem Strafverfahren gegen einen Jugendlichen positiv festzustellen. Es ist zu ermitteln, ob der jugendliche Straftäter zum Zeitpunkt der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug war, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln (Verantwortungsreife, § 3 JGG).

Jugendstrafrecht ist Erziehungsstrafrecht. Nicht Sühne, Vergeltung, Abschreckung oder Sicherung der Allgemeinheit sind entscheidend, sondern die Erziehung, die Sozialisation und die Resozialisierung bestimmen Art und Maß der Reaktion auf die Straftat. Jugendstrafrecht ist Täterstrafrecht. Nicht die Tat, sondern die umfassend gewürdigte Persönlichkeit des Täters steht im Vordergrund.

Alters- und Reifestufen

Kinder erreichen in Deutschland mit der Vollendung des 14. Lebensjahres die Strafmündigkeit (§ 19 StGB). Das Jugendgerichtsgesetz (JGG) ist auf Täter anzuwenden, die zur Tatzeit im Alter von 14 bis 17 Jahren waren (§ 1 Abs. 2 Halbs. 1 JGG).

Auf Heranwachsende (18- bis 20-jährige) sind Normen des Jugendstrafrechts gemäß §§ 105 f. JGG anzuwenden, wenn der Heranwachsende in seinem Reifezustand zur Tatzeit im Hinblick auf die konkrete Tat noch einem Jugendlichen gleichzustellen war oder ob er jedenfalls eine jugendtypische Tat begangen hat.

Für Erwachsene gilt das allgemeine Strafrecht.

Diskutieren Sie diesen Artikel
Das könnte Sie auch interessieren
Strafrecht Strafbefehl