Motive für ein MVZ aus Sicht eines Krankenhauses und eines Arztes

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Situation:

Die Krankenhauslandschaft leidet nicht erst seit Einführung der DRGs an chronischer Unterfinanzierung. Das EuGH-Urteil zum Bereitschaftsdienst und die Abschaffung des Arzt im Praktikum tun ihr Übriges und verstärken auch unter den Krankenhäusern die Wettbewerbssituation.

Kooperation mit Krankenhäusern bzw. Krankenhäuser als MVZ:

Es herrscht zwar auch nach Einführung der MVZ noch der Grundsatz, dass die stationäre und ambulante Versorgung getrennte sektorale Bereiche sind. Jedoch besteht für ein Krankenhaus die Möglichkeit der Gründung eines MVZ. Dies bedeutet letztlich einen mittelbaren Zugang für Krankenhäuser zur ambulanten Versorgung. Es ist davon auszugehen, dass Krankenhäuser in den nächsten Jahren diesen Zusatzmarkt erschließen werden.

Es können z.B. Betriebsgesellschaften gegründet werden, in die die Ausgliederung nichtärztlicher Versorgungsbereiche erfolgt (Personal, medizinisch-technische Geräte etc.) und anschließend eine gemeinsame Gestellung bzw. Nutzungsüberlassung an das Krankenhaus und das MVZ erfolgen. Theoretisch denkbar ist dies sogar für Ärzte, die dann sowohl im MVZ als auch im Krankenhaus angestellt sind. Natürlich gibt es hier (noch) berufsrechtliche Bedenken. Gegen die gleichzeitige Tätigkeit von angestellten Ärzten im Krankenhaus und im MVZ durch entsprechende Dienstverträge spricht § 20 Abs. 2 Ärzte-ZV, wonach eine Interessenkollision zu vermeiden ist. Andererseits können nach § 17 II MBO Ärzte über den Praxissitz hinaus an bis zu zwei weiteren Orten tätig sein. Über 18 III MBO ist zudem die Teilhabe an mehreren Berufsausübungsgemeinschaften möglich. So können z.B. Spezialisten an verschiedenen Orten/ MVZ in Zukunft ihre Dienste anbieten.

Sofern das Krankenhaus ein „eigenes“ MVZ gründet ist die Übernahme stationärer Patienten durch das MVZ möglich, die DRG-bedingt in die ambulante Versorgung verlagert werden müssen. Umgekehrt können ambulante Patientenströme über das MVZ in das Krankenhaus geleitet werden.

Dem Krankenhaus (-Träger) wird eine sektorenübergreifende Konzeption möglich, die zu Synergieeffekten, Vermeidung von Doppeluntersuchungen und letztlich der teilweisen Aufhebung der Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung führen wird.

Motive aus Sicht eines niedergelassenen Arztes:

Die Verknappung der Finanzmittel, eine verschärfte Budgetierung, EBM 2000plus, Mitsprache der Kassen an HVM und die Einführung von Regelleistungsvolumina bestimmen die ambulante Versorgung der Zukunft. Die neue Situation wird unter allen Leistungserbringern zu Gewinnern und Verlierern führen.

Der Zugang zur stationären Versorgung bzw. Kooperation durch die Beteiligung an einem MVZ, vielleicht sogar als Träger einer Klinik, die Beteiligung des MVZ an verwandten und ergänzenden Bereichen wie Wellness-Einrichtungen oder Nahrungsmittelergänzungsmittel-Anbietern können strategische Überlegungen für ein MVZ sein, um nicht als „Tante-Emma-Laden“ im Wettbewerb unterzugehen. Denkbar ist auch, dass ein Vertragsarzt über das 68. Lebensjahr hinaus unternehmerisch tätig sein möchte und ein MVZ gründet oder aber umgekehrt ohne wirtschaftliches Risiko als angestellter eines MVZ auf „seine alten Tage“ seinen Beruf ausübt.

Die Motive können vielfältig sein, sicher ist nur eines: Wer in der Entwicklung stehen bleibt läuft Gefahr, vom Wettbewerb überrollt zu werden.


Rechtsanwalt Markus Nass
http://www.nkl-recht.de

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Gründung medizinischer Versorgungszentren (MVZ)
Seite  2:  Voraussetzungen
Seite  3:  Gründer/Träger, Gesellschaftsformen
Seite  4:  Vergütung, Haftung, Checklisten
Seite  5:  Motive für ein MVZ aus Sicht eines Krankenhauses und eines Arztes
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