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Gewaltprävention und mehr Psychologen sollen Amokläufe verhindern

AFP VOM 9.3.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 1336 Aufrufe
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Amoklauf, Gewaltprävention

Sonderausschuss des Stuttgarter Landtags legt Sonderbericht vor

Ein großangelegtes Gewaltpräventionsprogramm und ein dichtes Netzes aus Schulpsychologen, Beratern sowie speziell ausgebildeten Lehrern soll Amokläufe an Baden-Württembergs Schulen künftig unwahrscheinlicher machen. Das sind die zentralen Empfehlungen, die der vom Stuttgarter Landtag nach der Bluttat von Winnenden vor einem Jahr eingesetzte Sonderausschuss am Dienstag im Parlament vorstellte. "Baden-Württemberg knüpft damit bundesweit mit das dichteste und professionellste Netz der schulpsychologischen Beratung in einem Flächenland", erklärte der Ausschussvorsitzende Christoph Palm (CDU).

Der 880 Seiten starke Abschlussbericht des fraktionsübergreifend besetzten Gremiums listet insgesamt acht umfassende Handlungsfelder sowie 39 einzelne Handlungsempfehlungen auf, die in monatelanger Arbeit mit Unterstützung von Experten entwickelt wurden. Kernpunkte der Amoklaufprävention sollen demnach die Schaffung von rund 250 weiteren Stellen für Gewaltpräventionsberater und Beratungslehrer sowie zusätzliche 100 Stellen für Schulpsychologen sein. Schon zum kommenden Schuljahr sollen etwa 30 neue Schulpsychologen eingestellt werden. Der baden-württembergische Landtag wird am Jahrestag des Amoklaufs am Donnerstag über die Vorschläge beraten, deren Finanzierungsvolumen sich nach Angaben des Sonderausschusses auf etwa 30 Millionen Euro im Jahr belaufen soll.

Bei dem Amoklauf am 11. März vergangenen Jahres hatte der ehemalige Schüler Tim K. an der Albertville-Realschule in Winnenden und später auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst erschossen. Das Verbrechen von Winnenden hatte auch international für großes Entsetzen gesorgt. Winnenden gedenkt am Donnerstag mit einer Trauerfeier den Opfern. Zu der Feier werden Bundespräsident Horst Köhler und der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) erwartet.

Der Sonderausschuss einigte sich neben Gewaltpräventionsprogrammen und einem Ausbau des Beratungsnetzes für Schüler auch auf Empfehlungen etwa mit Blick auf den Zugang zu Waffen, Gewaltdarstellungen in den Medien und die Sicherheit an Schulen. So schlägt er vor, die Strafverfolgung im Bereich der Internetkriminalität zu stärken und mehr Stellen für den Arbeitsbereich Internetrecherche (AIR) beim Landeskriminalamt zu schaffen. Viele Amoktäter kündigen ihre Taten im Internet an.

An den Schulen selbst sollten nach Auffassung des Ausschusses unter anderem einheitliche Vorgaben für Alarmsignale erlassen, interne Kommunikationssysteme verbessert und sämtliche Türen mit von innen verriegelbaren Schließmechanismen ausgerüstet werden, um Schüler und Lehrer besser zu schützen. Dem Ausschuss sei bei seiner Arbeit klar gewesen, dass es "realistischerweise nicht möglich sein wird, künftig Amokläufe völlig zu verhindern", erklärte Palm. Es sei darum gegangen, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass dieser zukünftig weniger wahrscheinlich würden.

9. März 2010 - 14.39 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010


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