Fünfjährige Lea-Sophie in Schwerin verhungert und verdurstet
AFP VOM 22.11.2007 | Nachrichten - Allgemein | 3290 Aufrufe Mehr zum Thema:Lea-Sophie, Schwerin
Eltern wegen Totschlags verhaftet
Die Untersuchung der Leiche der fünfjährigen Lea-Sophie aus Schwerin hat den Hungertod des Mädchens bestätigt. Das Kind sei monatelang von den Eltern vernachlässigt worden und deshalb verhungert und verdurstet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Die Eltern hätten es "über mehrere Monate unterlassen, das Kind ausreichend und richtig zu ernähren". Das Mädchen wog den Angaben zufolge nur noch 7,4 Kilogramm, in seinem Alter hätte es jedoch zwischen 15 bis 20 Kilogramm wiegen müssen.
Das Amtsgericht Schwerin erließ daraufhin nach Angaben des Sprechers wegen gemeinschaftlichen Totschlags Haftbefehl gegen die Eltern des Mädchens. Die 23-jährige Mutter und der 26-jährige Vater waren bereits am Mittwoch festgenommen worden. Hinweise auf Gewaltanwendung gegen das Mädchen habe die Obduktion nicht ergeben. Das Mädchen war kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus am Dienstagabend gestorben. Der acht Wochen alte Bruder des Mädchens wurde bei einer Pflegefamilie untergebracht.
In die Kritik geriet das Jugendamt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erstattete ein Bürger Strafanzeige gegen die Behörde wegen unterlassener Hilfeleistung. Der Schweriner Sozialdezernent Hermann Junghans (CDU) hatte bereits am Mittwoch eingeräumt, dass das Jugendamt anonyme Hinweise auf Probleme in der Familie gehabt habe. Diesen sei auch nachgegangen worden.
Der Hungertod des fünfjährigen Mädchens zeigt nach Ansicht der Deutschen Kinderhilfe Direkt die Mängel bei der staatlichen Kinder- und Jugendhilfe. Es handele sich nicht um einen unfassbaren Einzelfall, sondern um einen weiteren tragischen Beweis, dass "unser in den vergangenen Jahren systematisch herunter gekürztes Kinder- und Jugendhilfesystem auf die Herausforderungen der wachsenden Kinderarmut und Überforderung von Eltern nicht mehr reagieren kann", erklärte der Verein. Der Fall verdeutliche, dass ein effektives "Frühhilfesystem" gebraucht werde. Nur durch ein engmaschiges Betreuungs- und Hilfsangebot, aber auch mit Kontrollen und Sanktionen könne das Kindeswohl in Problemfamilien sichergestellt werden.
Der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutzzentren, Georg Kohaupt, sagte im ZDF, die Jugendhilfe sei überlastet und habe zu wenig Personal. Er widersprach aber dem verbreiteten Eindruck, dass die Zahl verwahrloster Kinder in den vergangenen Jahr angestiegen sei. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren konstant geblieben, sagte Kohaupt.
22. November 2007 - 18.23 Uhr
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