Führerscheinverlust

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Arbeitsrecht Rubrik, Kündigung, Fahrerlaubnis, betrieblich

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Wird die in einem öffentlichen Personennahverkehrsunternehmen vom Arbeitgeber zusätzlich zum Führerschein erteilte „betriebliche Fahrerlaubnis“ dem Arbeitnehmer durch den Betriebsleiter entzogen, rechtfertigt dies für sich weder eine außerordentliche noch eine ordentliche Kündigung aus personenbedingten Gründen. Das geht aus einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) in Erfurt hervor (Az. : 2 AZR 984/06). Der Entzug einer zusätzlich vom Arbeitgeber zum Führerschein erteilten „betrieblichen Fahrerlaubnis“ stehe nicht dem Verlust einer gesetzlichen Fahrerlaubnis gleich, da ihre Erteilung und ihr Entzug nach vom Arbeitgeber selbst erstellten Regeln erfolgt. Ansonsten hätte es der Arbeitgeber in der Hand, sich selbst Kündigungsgründe zu schaffen und die Regelungen zur verhaltensbedingten Kündigung bei Arbeitsvertragspflichtverletzungen zu umgehen.

Der Kläger war seit 1995 bei der Beklagten, die ein öffentliches Nahverkehrsunternehmen betreibt, als Omnibusfahrer beschäftigt. Bei Abschluss des Arbeitsvertrags erhielt der Kläger die „Dienstanweisung für den Fahrdienst“, die u. a. eine betriebliche Fahrerlaubnis zwingend vorschreibt. Am 22.11.2005 führte ein Fahrmeister der Beklagten eine ca. einstündige „Sonderbeobachtung“ des Klägers während dessen Fahrten mit dem Omnibus durch. Dabei stellte er - vom Kläger zum Teil bestrittene - straßenverkehrsrechtliche Verstöße fest. Nach Anhörung des Klägers teilte die Beklagte ihm mit, auf Grund der festgestellten Verstöße sei er auf Dauer ungeeignet, einen Omnibus zu lenken, und entzog ihm die betriebliche Fahrerlaubnis. Nach Anhörung des Betriebsrats kündigte die Beklagte das Arbeitsverhältnis des Klägers fristlos und fristgerecht.

Mit seiner Kündigungsschutzklage hat sich der Kläger gegen die Kündigungen mit der Begründung gewandt, der Entzug der betrieblichen Fahrerlaubnis stehe seinem weiteren Einsatz als Busfahrer nicht entgegen. Ggf. hätte die Beklagte ihn vor Kündigungsausspruch nachschulen müssen. Die Beklagte vertritt die Auffassung, es liege ein personenbedingter Kündigungsgrund vor. Auf Grund des Entzugs der betrieblichen Fahrerlaubnis durch den zuständigen Betriebsleiter, an den sie gebunden sei, könne sie den Kläger als Busfahrer nicht mehr einsetzen. Eine andere Einsatzmöglichkeit habe nicht mehr bestanden.

Das Arbeitsgericht (ArbG) und das Landesarbeitsgericht (LAG) haben der Kündigungsschutzklage stattgegeben. Die Revision der Beklagten ist vor dem 2. Senat des BAG erfolglos geblieben.

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Grundsätzlich müssen Arbeitnehmer beim Verlust ihres Führerscheins auch um ihren Arbeitsplatz fürchten, wenn ihre Tätigkeit den Besitz einer Fahrerlaubnis voraussetzt. Nach h. M. ist es dem Arbeitgeber regelmäßig nicht zumutbar, den Arbeitnehmer bis zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis anderweitig zu beschäftigen, insbesondere bei selbst verschuldeten Verlust des Führerscheins. Ein Unternehmen muss daher nicht warten, bis der Mitarbeiter die medizinisch-psychologische Prüfung (MPU) möglicherweise besteht und seinen Führerschein wiederbekommt. Ist ein Arbeitsverhältnis zwingend mit dem Besitz einer Fahrerlaubnis verknüpft, stellt deren Verlust immer einen „personenbedingten Kündigungsgrund“ dar.

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