Früherer Siemens-Finanzchef gerät offenbar in Bedrängnis Seite 1 - AFP vom 04.05.2008
Neubürger (DDP/AFP)
Früherer Siemens-Finanzchef gerät offenbar in Bedrängnis
"SZ": Neubürger gab Fehler bei Schmiergeldverdacht zu
Im Korruptionsskandal bei Siemens gerät der frühere Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger offenbar immer stärker unter Druck. Neubürger habe in einem Fall, in dem der Konzern jetzt Schadenersatzansprüche gegen den Ex-Finanzchef prüft, bereits Fehler eingeräumt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". In Konzernkreisen würden die Chancen, aufgrund dieser Sachlage Schadenersatz durchsetzen zu können, als groß bezeichnet, hieß es weiter. Neubürger wird unter anderem vorgeworfen, frühzeitigen Hinweisen auf Schmiergeldzahlungen in Nigeria nicht konsequent nachgegangen zu sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb angeblich bereits gegen Neubürger.
Nach "SZ"-Angaben hat der Ex-Finanzvorstand bei seinen Vernehmungen Versäumnisse eingeräumt. Der Zeitung zufolge hatte der ehemalige Konzernjustiziar im November 2003 einen fünfseitigen Vermerk an Neubürger geschickt, in dem der Verdacht auf Schmiergeldzahlungen in Nigeria detailliert geschildert wurde. Im Verlauf mehrerer Vernehmungen habe Neubürger gestanden, diesen Vermerk erhalten zu haben. Den Ermittlern soll er gesagt haben, damals hätten "rote Ampeln" bei ihm aufleuchten müssen.
Neubürger erklärte demnach, er habe den Vermerk an den damaligen Finanzchef der betroffenen Telekom-Sparte weitergeleitet und gebeten, Ordnung zu schaffen. Allerdings habe er später nicht nachgefragt, ob dies auch geschehen sei. Er müsse zugeben, dass er hier mehr hätte tun müssen, das tue ihm sehr leid.
Olaf Kretzschmar, Kiel beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Markenrecht, Urheberrecht, Presserecht und hat Interessensschwerpunkte: Wettbewerbsrecht, Sportrecht.