Freisprüche im Prozess zu Gas-Katastrophe im belgischen Ghislenghien
AFP VOM 22.2.2010 | Nachrichten - International | 919 Aufrufe Mehr zum Thema:Gasunglück, Ghislenghien
Gericht sieht keine Schuld bei Gastransportfirma und Bauherrn
Fünfeinhalb Jahre nach dem schweren Gasunglück im belgischen Ghislenghien sind zwei Firmen vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Das Gastransportunternehmen Fluxys und den schwedischen Gerätehersteller Husqvarna als Bauherr treffe keine Schuld für das Unglück vom 30. Juli 2004, urteilte ein belgisches Strafgericht am Montag. Beim Bau einer Fabrik war damals eine Gasleitung explodiert, 24 Menschen kamen ums Leben.
Einen Architekten, der für Husqvarna damals die Bauarbeiten der neuen Fabrik im Industriegebiet von Ghislenghien leitete, sprach das Gericht im westbelgischen Tournai dagegen wegen fehlender Sicherheitsvorkehrungen wegen fahrlässiger Tötung schuldig, wie der Privatsender RTL-TVI berichtete. In dem seit Mai laufenden Verfahren mussten sich auch Baufirmen, Verantwortliche der Feuerwehr und örtliche Behörden verantworten. Die Verlesung des 286 Seiten langen Urteils sollte fast den gesamten Tag andauern.
Die Richter kamen zu dem Schluss, dass Fluxys nicht dazu verpflichtet gewesen sei, bei Bauarbeiten über den von ihr genutzten Gasleitungen die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften zu überwachen, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. Die Firma habe vorschriftsmäßig gehandelt, als die Feuerwehr sie am 24. Juni 2004 auf ein Leck aufmerksam gemacht habe. Die Überwachung der Sicherheitsvorschriften sei Aufgabe des Feuerwehr-Chefs gewesen, der bei dem Unglück fünf Wochen später ums Leben kam.
Auf dem Gelände im Industriegebiet von Ghislenghien wurden seinerzeit Gebäude für eine damalige Tochtergesellschaft des Geräteherstellers Husqvarna gebaut, Diamant Boart. Laut Beweisaufnahme beschädigte ein Bauarbeiter am 24. Juni die Gasleitung. Für den Bau seiner neuen Fabrik habe Husqvarna zwar zu knappe Fristen gesetzt. Die Verstöße gegen die Bauvorschriften hingen laut Gericht jedoch nicht mit der Explosion zusammen.
Mit dem Freispruch für Fluxys und Husqvarna folgten die Richter nicht der Argumentation der Staatsanwaltschaft, die eine Hauptschuld bei den beiden Unternehmen sah. "Eine Enttäuschung nach der anderen - ich bin geschockt", sagte der Bauarbeiter David Da Palma, der als einer von rund 500 Nebenklägern in dem Verfahren auftrat. Er war bei dem Unglück schwer verletzt worden.
22. Februar 2010 - 15.33 Uhr
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