Flasche leer? Russische Firma patentiert Trinkgefäß

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Flasche leer? Russische Firma patentiert Trinkgefäß

Andere Länder, andere Sitten: In Russland müssen Durstige demnächst wohl ihr Bier aus einer Plastiktüte trinken oder die Cola in Würfeln zu sich nehmen. Denn man wird kaum annehmen, dass sich die dort boomende Getränkeindustrie 0,5 Prozent des Verkaufswertes einer Flasche abjagen lässt, das wären insgesamt ca. 15 Mio. DM im Jahr. So viel verlangt nämlich die russische Firma mit dem bezeichnenden Namen "Intellekt" als Lizenzgebühr. Sie hatte kurzerhand das Patent auf Metall-, Plastik- und Glasflaschen angemeldet - und es bekommen. 90% aller Trinkgefäße in Russland werden davon erfasst.

Wie das geht? Hier eine kleine Anleitung: In der Anmeldung nicht das Wort "Flasche" erwähnen, stattdessen die Wortwahl der Anmeldung so komplizieren und überladen mit mathematischen Formeln und geometrischen Figuren, dass die russische Patentbehörde "Rospatent" den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Als Ergebnis bekommt man das alleinige Nutzungsrecht auf eine Erfindung ausgestellt, deren Vorzüge schon den alten Ägyptern bekannt waren.

Vielleicht wären die Verantwortlichen in der Patentbehörde ja sogar in der Lage gewesen, den Geniestreich der Lümmel von "Intellekt" zu erahnen. In Fachkreisen wird allerdings gemunkelt, dass ausgerechnet das Objekt der Begierde selber dies verhinderte: hochprozentige Inhalte von bis dato unpatentierten Vodka-Glasflaschen sind wohl der Auslöser für unachtsame Bearbeiter bei "Rospatent" gewesen. Als die Auswirkungen der Patentanmeldung bekannt wurden, sollen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Unmengen leerer Jelzin-Flaschen aus der Behörde fortgeschafft worden sein.

Die Getränkeindustrie Russlands jammert und will sich wehren, immerhin passt das Patent von "Intellekt" auf fast alle verschließbaren Behältnisse. "Intellekt" selbst versteht die Aufregung nicht und gibt sich bescheiden: "Rospatent" habe die Erfindung akzeptiert, und die müssten es ja wissen, schließlich arbeiteten dort Experten.

Wie dem auch sei. Ich jedenfalls fahre Morgen nach Russland. Dort lasse ich mir dann die sauerstoffspezifische und osmose-artische Verhaltensweise der sich im corpus humanus befindlichen Lungenkapillaren patentieren. Jeder Russe schuldet mir dann einen Rubel. Für jeden Atemzug.

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