"Feindlicher Kämpfer" El Marri zu acht Jahren Haft verurteilt
AFP VOM 29.10.2009 | Nachrichten - International | 684 Aufrufe Mehr zum Thema:Guantanamo, Ali el Marri
US-Bundesgericht berücksichtigt Gefängniszeit ohne Anklage
Der einzige außerhalb Guantanamos in den USA festgehaltene "feindliche Kämpfer", Ali el Marri, ist am Donnerstag zu einer Haftstrafe von acht Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Entgegen der Forderung der Staatsanwaltschaft berücksichtigte das Bundesgericht in Peoria im Bundestaat Illinois bei der Festlegung des Strafmaßes auch die Zeit, die El Marri seit seiner Festnahme Ende 2001 ohne Gerichtsverfahren im Gefängnis saß.
El Marri hatte sich im April der "materiellen Unterstützung" des El Kaida-Terrornetzwerks für schuldig bekannt. Im Gegenzug hatte die Staatsanwaltschaft den Hauptanklagepunkt der "Verschwörung" fallen gelassen. Aufgrund einer Entscheidung von US-Präsident Barack Obama war El Marris Fall Ende Februar einem US-Zivilgericht überstellt worden.
Marri wurde fast sechs Jahre lang ohne Anklage in einem Militärgefängnis in den USA festgehalten. Der Informatiker, der die katarische und saudiarabische Staatsbürgerschaft besitzt, war am 10. September 2001, einen Tag vor den Terroranschlägen in New York und Washington, aus Katar mit seiner Familie zum Aufbaustudium in die USA eingereist. Zwei Monate später wurde er zunächst wegen Kreditkartenbetrugs festgenommen und im Juni 2003 von der Regierung des damaligen US-Präsidenten George W. Bush zum "feindlichen Kämpfer" erklärt.
El Marri erhielt damit denselben Status wie die Häftlinge in dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba. Entsprechend sollte ihm vor den Guantanamo-Tribunalen der Prozess gemacht werden. Obama hatte unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Januar die Verfahren vor den umstrittenen Guantanamo-Militärtribunalen allerdings ausgesetzt. Mit der Anklage vor einem ordentlichen Gericht endete auch El Marris Status als "feindlicher Kämpfer".
In seinem Schuldbekenntnis hatte El Marri seinen Aufenthalt in pakistanischen Trainingslagern der El Kaida zwischen 1998 und 2001 zugegeben. Auf Anweisung des mutmaßlichen Drahtziehers der September-Anschläge, Khalid Sheikh Mohammed, war er demnach in die USA gereist, in erster Linie, um Giftgas für Anschläge zu beschaffen.
29. Oktober 2009 - 22.48 Uhr
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