Fall illegaler Arzneitests von Pfizer in Nigeria kommt vor Gericht
AFP VOM 30.6.2010 | Nachrichten - International | 1355 Aufrufe Mehr zum Thema:Pfizer
Oberstes US-Gericht weist Beschwerde gegen Verfahren zurück
Der Streit um illegale Arzneimitteltests des US-Pharmakonzerns Pfizer in Nigeria wird vor Gericht ausgetragen. Der Oberste Gerichtshof der USA wies am Dienstag ohne jede Begründung einen Einspruch von Pfizer gegen ein Gerichtsverfahren ab und nahm die Beschwerde nicht zur Verhandlung an. Damit blieb das Urteil eines Berufungsgerichts in New York in Kraft, wonach der Fall der illegalen Tests vor Gericht verhandelt werden soll.
Pfizer hatte 1996 im nordnigerianischen Bundesstaat Kano sein antibiotisches Meningitis-Medikament Trovan an rund 200 Kindern getestet. Zu der Zeit herrschte in der Region eine Epidemie von Meningitis, Masern und Cholera, in Folge derer rund 12.000 Menschen starben. Elf Kinder starben während der Trovan-Tests, 189 weitere erlitten körperliche Schäden wie Erblinden, Hirnschäden und Lähmungserscheinungen. Pfizer versicherte, für die Tests die mündliche Einverständniserklärung der Eltern erhalten zu haben, was diese aber bestritten. Dem Konzern wird vorgeworfen, das Medikament unter dem Deckmantel einer humanitären Hilfsaktion verabreicht zu haben.
Nach zweijährigem Rechtsstreit hatten sich Pfizer und der Bundesstaat Kano im vergangenen Juli außergerichtlich darauf geeinigt, dass der weltgrößte Pharmakonzern in der Angelegenheit 75 Millionen Dollar (heute umgerechnet gut 61 Millionen Euro) zahlen soll. Davon sollten 35 Millionen Dollar an die Opfer der Medikamententests fließen, im Gegenzug sollte das Verfahren gegen Pfizer eingestellt werden. Kano hatte Pfizer ursprünglich auf Schadenersatz verklagt.
Im vergangenen Monat hatte jedoch eine Anwaltskanzlei, die die Familien der insgesamt 192 Opfer der Tests vertritt, mitgeteilt, dass diese die Entschädigungsregelung ablehnten. Grund seien Gentests, mit denen Pfizer feststellen wollte, wer tatsächlich Anspruch auf Zahlungen hat. Die Familien kritisierten, dass keine unabhängige Bestätigung für dieses Verfahren vorgesehen sei. Im Fall der Gentests schalteten die Anwälte auch das Oberste Gericht Nigerias in der Hauptstadt Abuja ein und verlangten eine Aufhebung der Tests. Der Gerichtshof äußerte sich in dieser Sache bislang aber noch nicht.
Pfizer zeigte sich in einer Erklärung enttäuscht über die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA vom Dienstag. Dies sei jedoch lediglich eine "Verfahrensentscheidung" und der Konzern sei weiterhin zuversichtlich, dass er letztlich Recht bekommen werde. "Pfizer ist bereit, seine Verteidigung vor Gericht zu präsentieren", hieß es in der Erklärung.
Das getestete Medikament ist generell umstritten. Trovan ist seit Februar 1998 auf dem Weltmarkt. Durch die missbräuchliche Einnahme des Mittels starben auch in den USA bereits mehrere Menschen oder erlitten schwere Leberschäden.
30. Juni 2010 - 13.29 Uhr
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