Fall des kleinen Joseph wird frühestens im Mai abgeschlossen
AFP VOM 11.4.2001 | Nachrichten - Aktuelles | 2105 Aufrufe Mehr zum Thema:Joseph, Sebnitz
- Staatsanwaltschaft will noch Mutter des Jungen vernehmen
Der Fall des kleinen Joseph aus dem sächsischen Sebnitz, der bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, wird frühestens im Mai abgeschlossen. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Dresden. Unter anderem wollen die Ermittler im Mai die Mutter des Jungen sowohl als Zeugin als auch als Beschuldigte vernehmen. Renate Kantelberg-Abdulla stehe im Verdacht, dass sie Zeugen zur Falschaussage angestiftet habe. Zudem sei die Vernehmung weiterer Zeugen noch nicht abgeschlossen.
Joseph war 1997 im Schwimmbad von Sebnitz ums Leben gekommen. Seine Mutter hatte den Vorwurf erhoben, der Sechsjährige sei von Neonazis unter den Augen zahlreicher Badegäste ertränkt worden. Einem dritten medizinischen Gutachten zufolge starb der Junge jedoch bei einem Badeunfall. Demnach trat der Tod des Kindes durch Herzstillstand ein. Drei junge Leute waren durch die von der Mutter vorgelegten Zeugenaussagen belastet und vorübergehend verhaftet worden. Sie kamen später wieder frei, weil sich der Verdacht nicht bestätigte.
Ende Februar hatte die Familie Kantelberg-Abdulla angekündigt, dass sie die Stadt verlassen werde. Der Vater, Saad Abdulla, gab dafür vor allem wirtschaftliche Gründe an. Der Umsatz der Apotheke, die die Familie in dem Ort betreibt, sei um rund 90 Prozent zurückgegangen. Zudem gebe es immer wieder Drohungen. Nach einem Verkauf der Apotheke will die Familie möglicherweise nach Hessen ziehen und neu anfangen. Die Stadt selbst erhält vom Freistaat Finanzhilfen in Millionenhöhe, unter anderem für den Ausbau der Infrastruktur, für Projekte im Tourismus und die Jugendarbeit. Sebnitz hatte im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Tod von Joseph einen erheblichen Imageschaden und wirtschaftliche Einbußen beklagt.
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