Experten warnen vor Liberalisierung des Glücksspielmarktes
AFP VOM 29.11.2010 | Nachrichten - Allgemein | 1249 Aufrufe Mehr zum Thema:Glücksspiel
Verbände befürchten steigende Zahl Spielsüchtiger
Suchtexperten warnen Bund und Länder vor einer Liberalisierung des Glücksspielmarktes. Wer den Glücksspielmarkt liberalisiert, fördere die Spielsucht, erklärten die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) und der Fachverband Glücksspielsucht in Berlin. Wirtschaftliche Interessen der Glücksspielanbieter und das haushaltspolitische Interesse einzelner Länder dürften nicht über der Gesundheit und dem Gemeinwohl stehen.
Schon jetzt seien die sozialen Kosten und die mit Glücksspielen verbundenen negativen Folgen wie Beschaffungskriminalität, Verschuldung und Arbeitsplatzverlust viel zu hoch, hieß es in der Erklärung. Den Angaben zufolge gibt es derzeit über 200.000 pathologische Glücksspieler und annähernd 300.000 Menschen mit einem problematischen Spielverhalten.
Die Suchtverbände forderten die Umsetzung des Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), der im September das staatliche Glücksspielmonopol in Deutschland gekippt hatte. Laut dem Gericht sind solche Wettmonopole zwar grundsätzlich zulässig, um die Spielsucht zu bekämpfen. In Deutschland werde dieses Ziel aber nicht konsequent verfolgt. Die Bundesländer wollen daher bis zum Frühjahr eine Neuregelung des Glücksspielstaatsvertrags vorlegen. Lotterien und vergleichbare Glücksspiele sind bislang weitgehend den Lottogesellschaften der Länder vorbehalten.
Die Suchtexperten sprachen sich für eine strikte Regulierung des gesamten Glücksspielmarktes einschließlich der gewerblichen Spielautomaten aus. Sie befürchten demnach, dass die derzeit diskutierte Teilöffnung des Sportwettenmarktes und die Öffnung des Internets für Glücksspiele "zwangsläufig zu einer wachsenden Zahl Glücksspielsüchtiger führen wird". Auch das Bundesverwaltungsgericht hatte erst in der vergangenen Woche ein Gesamtkonzept gegen die Spielsucht gefordert.
29.11.2010 - 15:01 Uhr


