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Ex-WestLB-Chef weist Untreue-Vorwurf zurück - 1/1
AFP vom 16.01.2008   |   1780 Aufrufe   |   Rubrik: Nachrichten - Vor Gericht

Ex-WestLB-Chef weist Untreue-Vorwurf zurück

Sengera verliest persönliche Erklärung vor Gericht

Ex-WestLB-Chef Jürgen Sengera hat in seinem Untreue-Prozess die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. "Ein strafrechtlich relevantes Falschverhalten kann ich nicht erkennen", erklärte der 64-Jährige in einer persönlichen Erklärung vor dem Düsseldorfer Landgericht. Laut Anklage soll sich Sengera wegen eines geplatzten WestLB-Darlehens an den britischen Fernsehverleiher Boxclever vor gut acht Jahren der schweren Untreue schuldig gemacht haben. Wegen der Boxclever-Insolvenz entstand der WestLB demnach ein Schaden von mindestens 427 Millionen Euro.

Sengera erklärte, er sehe die Vorwürfe gegen ihn "in Gänze als unberechtigt" an und weise sie deshalb "in vollem Umfang" zurück. Er äußerte sich in seiner Erklärung nicht zu Details der Anklageschrift. Darin wirft die Staatsanwaltschaft dem früheren Bankchef vor, er habe als damaliges WestLB-Vorstandsmitglied für Spezialfinanzierung den Boxclever-Kredit über 1,35 Milliarden Euro ohne ausreichende Risikoprüfung bewilligt. Allerdings zeigte sich Sengera "tief betroffen" von den Verlusten bei der WestLB durch das Boxclever-Geschäft. "Es tut mit aufrichtig leid, dass in einem meiner Verantwortungsbereiche, die über Jahre hinweg überdurchschnittlich hohe Gewinne erzielt haben, ein solcher Schaden entstanden ist."




Strafrechtlich habe er sich jedoch nichts vorzuwerfen, sagte der 64-Jährige am dritten Verhandlungstag. "Ich habe keine Pflichtverletzung begangen, ich hatte kein Sonderwissen, das in irgendeiner Weise entscheidungsrelevant gewesen wäre", betonte Sengera. Schon gar nicht habe er der Bank schaden wollen, für die er mehr als 25 Jahre gearbeitet habe. Das Boxclever-Geschäft hatte zu den Milliardenverlusten beigetragen, die die WestLB in den vergangenen Jahren in eine schwere Schieflage brachten. Durch das von der damaligen Star-Bankerin Robin Saunders eingefädelte Darlehen sollte die Fusion zweier britischer Vermieter von Fernseh- und Haushaltsgeräten finanziert werden.

Für das Verfahren gegen Sengera, der die WestLB von 2001 bis Mitte 2003 führte, hat die Düsseldorfer Wirtschaftsstrafkammer weitere 36 Verhandlungstage bis zum 19. Juni anberaumt. Die frühere Londoner Top-Bankerin Saunders ist für den 28. Februar in den Zeugenstand geladen, als ausländische Zeugin könnte sie allerdings auch in London vernommen oder per Videokonferenz dem Düsseldorfer Verfahren zugeschaltet werden.

16. Januar 2008 - 11.38 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2008



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