Ex-Vivendi-Chef Messier wegen Bilanzschieberei auf der Anklagebank
AFP VOM 2.6.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 554 Aufrufe Mehr zum Thema:Messier, Vivendi
Einstiger Vorzeige-Manager räumt "im Rückblick" Fehler ein
Acht Jahre nach seinem Rauswurf muss sich der frühere Chef des inzwischen aufgespaltenen Mischkonzerns Vivendi-Universal, Jean-Marie Messier, vor der Justiz verantworten. Der einstige Star der französischen Unternehmerszene sitzt seit Mittwoch vor dem Pariser Strafgericht wegen Verbreitung von Falschinformationen, Kursmanipulation und Untreue auf der Anklagebank. Ihm drohen fünf Jahre Haft und eine hohe Geldstrafe.
Der 53 Jahre alte Manager soll während des Börsen- und Internetbooms zur Jahrhundertwende seine Aktionäre über den hohen Schuldenstand nach der Übernahme des kanadischen Medienkonzerns Seagram belogen haben. Außerdem wird Messier vorgeworfen, entgegen geltenden Bestimmungen zur Kursstützung massiv Aktien des eigenen Konzerns aufgekauft zu haben.
Messier hatte den einstigen Kommunalversorger Vivendi Ende der 90er Jahre durch eine Reihe von Zukäufen, darunter die berühmten Universal-Filmstudios, in einen Medienkonzern umgebaut. Während er für viele in Frankreich als Typus eines neuen Unternehmers galt, hatten ihm Kritiker schon damals Größenwahn vorgeworfen. Als Mitte 2002 herauskam, dass der Konzern unter einem Schuldenberg von 35 Milliarden Euro zusammenzubrechen drohte, musste Messier seinen Hut nehmen.
"Im Rückblick" seien einige Entscheidungen "nicht die besten gewesen", sagte Jean-Marie Messier - in Frankreich kurz J2M genannt - vor Gericht. "Ich habe sicher Fehler gemacht." Er habe aber immer im Interesse des Unternehmens handeln wollen. In einer "Art perfektem Sturm" hätten dann innere und äußere Faktoren seine Strategie über den Haufen geworfen. Messier nannte dabei unter anderem das Platzen der Internet-Blase, die Kursstürze nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 sowie Konflikte zwischen französischen und US-Aktionären seines Unternehmens.
Der Prozess ist bis zum 25. Juni angesetzt. Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte den Fall allerdings eigentlich zu den Akten legen wollen. Der zuständige Untersuchungsrichter, der das letzte Wort hat, bestand aber auf einem Prozess. Französische Kleinaktionäre, die durch Messier viel Geld verloren, hoffen auf eine Verurteilung, um dann Schadenersatz einklagen zu können. Sie treten als Nebenkläger in dem Verfahren auf.
Im Januar war der Fall nach einer Sammelklage von US-Aktionären bereits in den USA vor Gericht gewesen. Ein New Yorker Gericht verurteilte Vivendi zu Schadenersatz. Die Höhe ist noch nicht festgelegt, könnte sich aber auf mehrere Milliarden belaufen. Messier wurde von jeder Verantwortung freigesprochen. Mit ihm sind in Paris fünf weitere ehemalige Manager von Vivendi Universal sowie ein Finanzberater angeklagt.
Vivendi-Universal musste nach der Ära Messier einen harten Sparkurs einschlagen. Nach dem Verkauf seiner Film- und Unterhaltungssparte heißt der Konzern heute nur noch Vivendi und ist in den Bereichen Mobilfunk, Pay-TV, Musik und Videospiele tätig. Der Versorgerbereich war schon unter Messier im Jahr 2000 an die Börse gebracht worden und trägt heute den Namen Veolia.
2. Juni 2010 - 16.19 Uhr
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