Ex-Guantanamo-Häftling darf Australien auf Entschädigung verklagen
AFP VOM 25.2.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 749 Aufrufe Mehr zum Thema:Guantanamo, Entschädigung
Ägypter wirft Australiern Anwesenheit bei US-Folterverhören vor
Ein früherer Insasse des US-Gefangenenlagers Guantanamo hat von einem Bundesgericht in Australien das Recht zugesprochen bekommen, das Land wegen Komplizenschaft bei seiner Folter auf Entschädigung zu verklagen. Das Gericht wies am Donnerstag den Einspruch der Regierung zurück, wonach ein australisches Gericht nicht die Kompetenzen habe, sich mit der angeblichen Anwesenheit von australischen Beamten bei US-Folterverhören zu befassen. Der Ägypter Mamdouh Habib, der 1980 nach Australien eingewandert war, legte in seiner Klage dar, dass Agenten, Diplomaten und Polizeibeamte aus Australien bei mindestens zwölf der Folterverhöre anwesend gewesen seien.
Habib war kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Pakistan festgenommen worden. Nach seinen Angaben wurde er auch in Ägypten, Afghanistan und zuletzt in Guantanamo festgehalten. Bis zu seiner Freilassung aus dem Gefangenenlager Guantanamo sei er von US-Beamten mit Schlägen, Stromschlägen, Verbrennungen, Schlafentzug und Drogeninjektionen gefoltert worden. Den Australiern, die dabei mehrfach anwesend gewesen sein sollen, wirft der Ägypter vor, die folternden US-Beamten angestiftet und beraten zu haben. Das Bundesgericht gab in seiner Entscheidung keine inhaltliche Bewertung der Vorwürfe ab.
Habib erklärte, er sei sehr froh über die Gerichtsentscheidung zu seiner Klage. "Ich denke, wir können immer noch Gerechtigkeit bekommen", sagte der 54-jährige Vater von vier Kindern. Habib beteuert, dass er sich zu einer ganz normalen Geschäftsreise in Pakistan aufgehalten habe, als er dort festgenommen wurde. Seine Anwälte fordern nun von den australischen Behörden, alle offiziellen Unterlagen über ihren Mandanten bereitzustellen.
Die australische Regierung setzt sich seit 2006 gegen Habibs Entschädigungsforderungen zur Wehr. 2008 verlor der Ägypter einen Verleumdungsprozess gegen die Zeitung "Nationwide News" von Medienmogul Rupert Murdoch. Das Blatt hatte geschrieben, Habib habe über seinen Behandlung in der Haft gelogen. Das Gericht urteilte, Habib habe aus Eigennutz tatsächlich falsche Angaben gemacht und neige zur Übertreibung.
25. Februar 2010 - 12.38 Uhr
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