Sieben Jahre nach dem Zusammenbruch des südkoreanischen Daewoo-Konzerns ist dessen ehemaliger Chef Kim Woo-Choong zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Zudem muss der 69-Jährige die astronomische Summe von umgerechnet knapp 18 Milliarden Euro Entschädigung sowie eine Strafe von mehreren zehntausend Euro zahlen, wie ein Bezirksgericht der südkoreanischen Hauptstadt Seoul entschied. Der einst weltweit bewunderte Manager wurde des Betrugs und der Veruntreuung von Firmengeldern für schuldig befunden.
Kim ist für eine der bislang größten Firmenpleiten der Welt verantwortlich: Der Daewoo-Konzern war 1999 unter Milliardenschulden zusammengebrochen. Vom Vorwurf der Bestechung von Regierungsvertretern wurde Kim freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte zudem angesichts des schlechten Gesundheitszustandes des herzkranken Ex-Managers auf die Forderung nach lebenslanger Haft verzichtet. Kims Verteidiger kündigten an, in Berufung gehen zu wollen.
Kim hatte sich nach sechsjähriger Flucht im vergangenen Juni den Behörden in Südkorea gestellt. Damals kündigte er an, die volle Verantwortung für den Fall Daewoo übernehmen zu wollen.
Der Konzern hatte im Zuge der Asien-Krise Ende der 90er Jahre Schulden von geschätzt 80 Milliarden Dollar (nach heutigem Kurs 63 Milliarden Euro) angehäuft - mehr als bei den spektakulären Zusammenbrüchen von Enron und WorldCom in den USA. Kim soll Mitarbeiter angewiesen haben, die Bilanzen zu schönen, damit weitere Bankenkredite fließen und er selbst Milliardensummen ins Ausland schaffen konnte.
Kim und sein Daewoo-Konzern galten einst als Erfolgssymbol für die Wirtschaftsgeschichte Südkoreas. Der asiatische Staat hatte sich in weniger als 40 Jahren von einem der ärmsten Länder der Welt zur Nummer zwölf der Weltwirtschaftsmächte hochgearbeitet.
In seinen Glanzzeiten beschäftigt der Konzern eine Viertelmillion Menschen, das Exportvolumen erreicht mehr als 13 Prozent der gesamten Ausfuhren des Landes. Nach dem Crash setzte sich Kim 1999 ins Ausland ab. Sieben seiner Mitarbeiter wurden 2001 zu bis zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Vier von ihnen kamen jedoch durch einen Gnadenerlass des Präsidenten wieder frei. Dies soll Kim mit dazu bewegt haben, sich einem Verfahren in Südkorea zu stellen.
30. Mai 2006 - 11.57 Uhr
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