Ex-Chefarzt demnächst wegen Tods von sieben Patienten vor Gericht
AFP VOM 24.6.2009 | Nachrichten - Nachrichten | 1318 Aufrufe Mehr zum Thema:Arzt, Körperverletzung
Landgericht lässt Anklage im Klinikskandal von Wegberg zu
Wegen des Todes von sieben Patienten und einer Vielzahl von Körperverletzungsdelikten muss sich voraussichtlich von Ende August an der frühere Chefarzt der Klinik von Wegberg (Nordrhein-Westfalen) vor Gericht verantworten. Mit angeklagt sind nach Angaben des Landgerichts Mönchengladbach vom Mittwoch sieben weitere Ärzte des Krankenhauses, das der Hauptangeklagte zum Jahresbeginn 2006 von der Gemeinde Wegberg erworben hatte. Der frühere ärztliche Leiter der Klinik soll laut Anklage aus finanziellen Erwägungen unter anderem angeordnet haben, dass zur Wunddesinfektion statt einer teureren sterilen Lösung frisch gepresster Zitronensaft verwendet wurde.
Der Mediziner soll laut Staatsanwaltschaft zudem eine Vielzahl von Operationen ohne medizinische Notwendigkeit vorgenommen haben - darunter zum Teil völlig überflüssige Darm-OPs und unnötige Eingriffe zur Entfernung von Gallenblase, Nieren, Blinddarm und Brustfell. Bei der Behandlung einiger Patienten soll er sich überdies eine medizinische Fachkompetenz angemaßt haben, über die er nicht verfügte. Auf diese Weise kam laut Staatsanwaltschaft zu weiteren folgenreichen Fehlentscheidungen, die in insgesamt sieben Fällen den Tod der Patienten nach sich zogen.
Der Ex-Chefarzt muss sich nun wegen drei Fällen von Körperverletzung mit Todesfolge und vierfacher fahrlässiger Tötung verantworten. Außerdem legt ihm die Staatsanwaltschaft mehr als 60 Körperverletzungsdelikte sowie unterlassene Hilfeleistung zur Last. Die mitangeklagten Krankenhausärzte sollen in unterschiedlicher Beteiligung bei den angeklagten Taten mitgewirkt haben. Für den Prozess will die Schwurgerichtskammer des Mönchengladbacher Gerichts 20 Verhandlungstage anberaumen.
24. Juni 2009 - 17.12 Uhr
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