Erste Verurteilung im Fall Abu Ghureib
AFP VOM 19.5.2004 | Nachrichten - International | 4036 Aufrufe Mehr zum Thema:Sivit, Abu, Ghureib, Misshandlung
Erste Verurteilung im Fall Abu Ghureib
Angeklagter voll geständig
Es waren Bilder, die die Welt bestürzten, nun folgt die Ahndung auf dem Fuße. Im Auftaktprozess um die Misshandlungen von Gefangenen im irakischen Gefängnis Abu Ghureib verurteilte ein US-Militärgericht den Unteroffizier Jeremy Sivit als ersten von insgesamt sieben Angeklagten. Das Gericht befand den Soldaten der Misshandlung sowie der Verschwörung zur Misshandlung für schuldig. Sivit wird unehrenhaft entlassen, verliert seinen Dienstgrad und bekam eine einjährige Haftstrafe; die Höchststrafe, die ein amerikanisches Militärgericht verhängen kann. Zuvor gestand Sivit die Misshandlung von Insassen in drei Fällen.
Aufgelöst schilderte Sivit in dem dreieinhalbstündigen Prozess den Hergang der menschenunwürdigen Misshandlung der irakischen Häftlinge. Er berichtete dem Gericht unter Tränen, wie Gefangene zu Pyramiden aufgeschichtet wurden und einige seiner Kameraden auf ihren Händen und Füßen herumtrampelten. Sivit sprach von seiner Beteiligung bei den Gewaltexzessen und bekannte sich zu dem weltweit veröffentlichten Foto, das zwei Soldaten hinter einer Pyramide aus nackten Leibern zeigt. Dabei belastete er seine Mitangeklagten schwer, darunter die Obergefreite Lynndie England und den Feldwebel Charles Graner.
Sivit zeigte sich reumütig und entschuldigte sich bei den Irakern und den Gefangenen. „Ich hätte diese Gefangenen beschützen sollen, anstatt diese Fotos zu machen.“ Jeremy Sivits Anwalt plädierte angesichts seiner Reue für ein mildes Urteil. Die Anklage hatte die Höchststrafe gefordert, weil sich Sivit bewusst gewesen sei, dass die Folter in Abu Ghureib gegen die Genfer Konventionen verstieß. Besonders schwer traf Jeremy Sivit die Entlassung. Er bekräftigte gegenüber dem Richter, dass er unbedingt in der Armee bleiben wolle. „Ich wollte immer nur ein amerikanischer Soldat sein.“
Im Tagungszentrum der Besatzungstruppen im militärisch abgeriegelten Zentrum von Bagdad, wo die Verhandlung abgehalten wurde galten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Menschenrechtsorganisationen beklagten, sie hätten keinen Zugang zu der Verhandlung bekommen. Auch die irakische Bevölkerung wurde lediglich durch Medienvertreter repräsentiert. Bei einer Anhörung am selben Tag wurden mit Javal Davis, Ivan Frederick und Charles Graner drei weitere Angeklagte befragt, diese verweigerten jedoch gegenüber dem Richter die Aussage. Der Vorsitzende Richter Oberst James Pohl kündigte für den 21. Juni eine weitere Vorverhandlung gegen die drei Militärangehörigen an.
Bereits zuvor waren von einem Insider neue Anschuldigungen gegen die US-Armee laut geworden. Samuel Provance, Unteroffizier des Militärgeheimdienstes, ließ in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC durchblicken, dass der Folterskandal noch weitere Kreise ziehe. Er war in Abu Ghureib als Computerexperte stationiert und habe mit angesehen, wie Dutzende Soldaten an den Misshandlungen beteiligt gewesen seien. In diesem Zusammenhang sprach Provance zudem von Vertuschung. Unterdessen wurden auch Vorwürfe publik, nach denen sogar Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters von Soldaten misshandelt worden sein sollen.
Quellen: spiegel.de, findlaw.com, nytimes.com, yahoo.de, web.de, sueddeutsche.de


