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Ermittlungen zum Tod des kleinen Joseph aus Sebnitz eingestellt - 1/1
AFP vom 25.7.2001   4513 Aufrufe    Leserwertung: 0,0 (0 User) Sterne Bewertung Leser
Rubrik: Nachrichten - Allgemein

Ermittlungen zum Tod des kleinen Joseph aus Sebnitz eingestellt

- Staatsanwaltschaft: Sechsjähriger starb an Herzstillstand

Die Ermittlungen zum Tod des kleinen Joseph aus Sebnitz, der im vergangenen Winter bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, sind endgültig eingestellt worden. Wie die Dresdner Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, ergaben die Ermittlungen, dass der Sechsjährige im Juni 1997 im Schwimmbad der sächsischen Kleinstadt eines natürlichen Todes starb. Es könne ausgeschlossen werden, dass dem Kind Giftstoffe oder Medikamente eingeflößt wurden. Der Fall war neu aufgerollt worden, nachdem Josephs Mutter Renate Kantelberg-Abdulla im vergangenen November den Vorwurf erhoben hatte, der Sechsjährige sei von Neonazis unter den Augen zahlreicher Badegäste ertränkt worden. Die Ermittlungen gegen die Mutter wegen des Verdachts der Anstiftung zur Falschaussage dauern unterdessen noch an.




Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde der Badetod, bei dem der Junge den tödlichen Herzstillstand erlitten hatte, durch eine Herzerkrankung begünstigt. Das im Körper von Joseph festgestellte Herzmittel Lidocain sei ihm während der Wiederbelebungsversuche durch den Rettungssanitäter verabreicht worden. Die Mutter des Jungen hatte behauptet, dass Rechtsradikale ihren Sohn zunächst mit einem Betäubungsmittel betäubt und dann ertränkt hätten. Den Ermittlern zufolge zogen alle Zeugen, die zunächst von einem Gewaltverbrechen sprachen, ihre Aussagen zurück. Sie seien von Josephs Eltern zu den Aussagen gedrängt worden. Ein Teil habe eingeräumt, sich an dem Tag gar nicht im Schwimmbad aufgehalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte in den vergangenen Monaten mehr als 250 Zeugen vernommen.

Nach dem Tod des kleinen Joseph waren die Behörden zunächst von einem Unfall ausgegangen. Die von der Mutter vorgelegten eidesstattlichen Zeugenaussagen hatten dann aber zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens geführt. Die Ermittler verhafteten vorübergehend drei junge Leute, die durch die von der Mutter vorgelegten Zeugenaussagen belastet wurden. Sie kamen später wieder frei, weil sich der Verdacht nicht bestätigte.

Die Familie Kantelberg-Abdulla verließ inzwischen die Stadt. Der Vater Saad Abdulla hatte dafür im Februar vor allem wirtschaftliche Gründe angegeben. Der Umsatz ihrer Apotheke war demnach um rund 90 Prozent zurückgegangen. Die Stadt Sebnitz teilte in einer Erklärung mit, dass durch den Abschluss der Ermittlungen ein weiterer Schritt "zur Normalisierung" erreicht sei. Die Stadt hatte im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Tod von Joseph einen erheblichen Imageschaden und wirtschaftliche Einbußen beklagt. Die Kleinstadt erhält vom Freistaat Finanzhilfen in Millionenhöhe, unter anderem für den Ausbau der Infrastruktur und Projekte im Tourismus.

© AFP Agence France-Presse GmbH 2001

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