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Ermittler schließen nach Explosionen kriminelle Tat nicht aus
Seite 1 - AFP vom 17.03.2008

Ermittler schließen nach Explosionen kriminelle Tat nicht aus

Opferzahl in albanischem Waffendepot auf 16 gestiegen

Nach der verheerenden Explosionsserie in einem albanischen Waffenlager haben die Justizbehörden einen kriminellen Hintergrund als Ursache nicht ausgeschlossen. Derzeit würden mehrere Spuren verfolgt, erklärte Staatsanwältin Ina Rama am Montag. Als mögliche Ursachen für die Explosionen wurden nach ihren Angaben auch Sicherheitsmängel oder Fehler bei der Wahl des Ortes für die Entschärfung von Waffen und Munition in Erwägung gezogen. Am Montag stieg die Zahl der Toten auf mindestens 16 nachdem fünf weitere Leichen in den Trümmern entdeckt wurden. Der albanische Verteidigungsminister Fatmir Mediur erklärte seinen Rücktritt.

Albaniens Präsident Bamir Topi forderte am Montag eine gründliche Aufklärung der Explosionsursache. Die Wucht der Explosion am Samstag sei mit der einer Atombombendetonation vergleichbar gewesen - "eine Atombombe ohne Radioaktivität", sagte Topi.

Unter den Trümmern des ehemaligen Lagers für Altwaffen nahe der albanischen Hauptstadt Tirana bargen Rettungskräfte unter anderem die verbrannte Leiche eines dreijährigen Kindes. Das Kind sei nur wenige Meter von seiner ebenfalls getöteten Mutter entfernt gefunden worden, erklärte ein Familienangehöriger. Ein Opfer, dass zuvor in ein italienisches Krankenhaus transportiert worden war, erlag dort seinen Verletzungen. Zuvor war bereits am Sonntagabend im Krankenhaus von Tirana eine 19-Jährige an ihren schweren Brandverletzungen gestorben. Mindestens zehn Menschen wurden am Montag noch vermisst. Die Behörden rechneten deshalb mit einer weiter steigenden Opferzahl.

Die Rettungsarbeiten dauerten trotz heftigen Regens an, das Gebiet um den Explosionsort war weiträumig abgesperrt. Nach Angaben von Spezialisten befand sich auf dem Gelände nicht explodierte Munition, was die Arbeiten zusätzlich erschwerte. Hunderte Angehörige der Opfer und Bauern aus der Region blockierten am Montagnachmittag eine Hauptverkehrsstraße. Damit wollten sie für eine Beschleunigung der Suchaktion demonstrieren.

Die albanische Regierung stellte für die Angehörigen der Opfer Entschädigungen in Höhe von jeweils 16.000 Euro in Aussicht. Unter den Toten und Verletzten waren nach Angaben von Augenzeugen viele Frauen und Kinder. Verteidigungsminister Mediur trat unterdessen zurück. "Mein Rücktritt ist ein Akt der Verantwortung", erklärte er am Montag. Gleichzeitig kündigte er an, er werde die Untersuchung des Vorfalls unterstützen. Der Verteidigungsminister war seit August 2005 im Amt gewesen.

In dem Munitionsdepot halfen Mitarbeiter einer US-Firma im Auftrag der NATO der albanischen Armee bei der Vernichtung alter Waffenbestände aus der kommunistischen Zeit. Laut Albaniens Verteidigungsministerium lagern in dem Land noch 100.000 Tonnen alter Munition.

17. März 2008 - 18.58 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2008




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