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Erbe oder nicht Erbe?

4.1.2008 Thema abonnieren Zum Thema: Erbe
 Von 
analir
Status:
Beginner
(119 Beiträge, 13x hilfreich)
Erbe oder nicht Erbe?

Hallo,

folgender Sachverhalt:

Oma verstarb 1996 und hinterließ 3 lebende Kinder und einen verstorbenen Sohn, der aber eine Tochter hat. Ist meine Annahme richtig, dass die Enkelin als Erbe an die Stelle des verstorbenen Vaters tritt und somit Anspruch auf einen Teil Nachlass der Oma hat? Wenn ja, wieviel wäre das - 1/4?

Wenn es damals ein Testament gegeben hat (was mir nicht bekannt ist), wüsste das Nachlassgericht dann davon, in jedem Fall meine ich? Und prüfen Nachlassgerichte dann immer, ob alles erbrechtlich korrekt abläuft?

In meinem Fall - als meine Oma starb, bekam ich (als nett gemeintes Geschenk, ganz im Sinne meiner Oma, so sagte man mir damals) von den 3 Kindern etwas Geld. Ich habe mich damals normal bedankt, meinen eigentlichen Dank aber meiner Oma am Grab erklärt. War ja der Meinung, dass dies von ihr aus so gedacht war. Heute nun wird mir plötzlich Undankbarkeit vorgeworfen, wo doch die Tanten und Onkel sooo nett zu mir gewesen seien und mir ohne es zu müssen Geld gegeben hatten. A) wusste ich das so ja nie und b) habe ich nunmal nachgeforscht bzw. mache mir Gedanken.

Hatte ich nicht eh Anspruch auf Erbe?

Und hätte man mich nicht darüber informieren müssen?

Wenns ein Testament gab, hab ich dennoch Anspruch auf einen Pflichtteil gehabt, wenn ja, wie hoch? (Ich war keinesfalls enterbt worden, meine Oma und ich hatten ein sehr gutes Verhältnis, haben nur nie übers sterben und erben gesprochen, weshalb ich auch nicht erahnen kann, wie sie damals alles geregelt hatte)

Kann ich heute noch raus finden (ohne Kontakt zu den anderen Erben!), obs damals ein Testament gab und ob mir was zustehen würde bzw. mehr, als ich damals bekommen habe?

Ich mag das nicht einfordern, es nur wissen, um kontern zu können, wenn ich über Dritte wieder einmal Undankbarkeit vorgeworfen bekomme.

Danke für eure Hilfe!

a.

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Erbe


8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
muemmel
Status:
Heiliger
(21562 Beiträge, 11455x hilfreich)

Hi,

ich nehme mal an, Sie sind die Tochter des verstorbenen Sohns? Dann stand Ihnen in der ein Viertel des Erbes zu, weil Sie in der Erbfolge nachrücken. Wenn es ein Testament gab, in dem Sie nicht bedacht werden, bleibt Ihnen der Pflichtteil. Das ist die Hälfte des gesetzl. Erbteils, also ein Achtel.
Das kann man alles im BGB nachlesen.
Evtl. ist der Anspruch inzwischen verjährt - das weiß ich nicht. Aber Sie wollen ihn ja ohnehin nicht einfordern...

Gruß vom mümmel

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#2
 Von 
nataly
Status:
Lehrling
(1238 Beiträge, 403x hilfreich)

Verjährt ist nichts. Bei gesetzlicher Erbfolge ist analir kraft Gesetzes mit dem Tod der Oma Erbin geworden und daran ändert sich nichts.

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#3
 Von 
analir
Status:
Beginner
(119 Beiträge, 13x hilfreich)

Bei der Erbfolge und somit meinem Anspruch wollte ich nur sichergehen, dass ich das BGB richtig verstanden habe.

In erster Linie gehts mir drum - wären Onkel/Tanten als andere Erben oder bei Vorliegen eines Testaments mitunter auch das Nachlassgericht verpflichtet gewesen, mich über meinen Erbanspruch zu informieren?

Oder ist ein Erbe immer in der Selbstauskunftspflicht, muss also von selbst wissen - ich bin Erbe und fordere dies ein. Als Laie, in meinem Fall auch damals noch jung und erbtechnisch unerfahren, wusste das eben nicht und wäre für eine Info dankbar gewesen. Menschlich gesehen dachte ich, dass es eine Benachrichtigungspflicht seitens der anderen Erben hätte geben müssen. Oder nicht?

LG a., die eben ungern das schwarze Schaf ist, wenn die anderen schwärzer sind ;)

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#4
 Von 
sika0304
Status:
Schlichter
(7951 Beiträge, 2122x hilfreich)

Ja, als "Erbe" hast du eine gewisse Selbstauskunftspflicht.
Etwas anderes wäre es nur, wenn das Testament (123recht.net Tipp: Berliner Testament ) beim Amtsgericht hinterlegt ist und sozusagen öffentlich verlesen wird.
Die Behörden werden nur tätig, wenn überhaupt keiner sich kümmert, dann ermitteln die Erben (meisten um jemanden zu haben, der die Kosten übernimmt...).
Falls ein Erbschein beantragt wird, gibt man an, wer noch Erbbrechtigt ist (also wenn man hier bewußt den verstorbenen Bruder unterschlägt, kann es gesetzlich Probleme geben).

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#5
 Von 
analir
Status:
Beginner
(119 Beiträge, 13x hilfreich)

Vielen Dank für die Info!

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#6
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(27812 Beiträge, 8323x hilfreich)

Ohne Erbschein kommt ein Erbe aber z.B. an Bankkonten und Immobilien gar nicht heran.

Was hier genau passiert ist, kann man daher nur sehr schwer beurteilen.

Wenn es kein Testament gab, dann hast Du einen Anspruch auf 1/4 des Nachlasses. Wenn es jedoch ein Testament gegeben hat, in dem Du nicht berücksichtigt wurdest, dann hätte Dir 1/8 als Pflichtteil zugestanden.

Die Verjährungsfrist beim Pflichtteil beträgt 3 Jahre gegenüber 30 Jahren beim Erbteil.

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#7
 Von 
analir
Status:
Beginner
(119 Beiträge, 13x hilfreich)

hh - vielen Dank für diese Info!

LG a.

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#8
 Von 
sika0304
Status:
Schlichter
(7951 Beiträge, 2122x hilfreich)

Bankkonten auflösen klappt auch ohne Erbschein, wenn man eine Vollmacht über den Tod hinaus hat.

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