Erbe geworden – wie geht’s weiter?

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Erbenhaftung

Erbe zu sein bedeutet nicht nur, die Vermögenswerte des Verstorbenen zu übernehmen. Der Erbe haftet auch für die Schulden, die der Verstorbene hinterlassen hat. Dabei ist insbesondere zu beachten, dass der Erbe grundsätzlich nicht nur mit dem ererbten Vermögen für die Schulden haftet, sondern auch mit seinem übrigen Vermögen .
Dass damit ein großes Risiko für den Erben verbunden ist und die Zeit von sechs Wochen zur Ausschlagung sehr kurz bemessen ist, hat der Gesetzgeber erkannt und den Erben neben der Ausschlagung weitere Möglichkeiten gegeben.

"Der Erbe haftet vorläufig unbeschränkt aber beschränkbar."

Damit sich der Erbe einen besseren Überblick über die Nachlassverbindlichkeiten schaffen kann, kann er das Aufgebotsverfahren durchführen. Dadurch werden die Nachlassgläubiger zur Anmeldung ihrer Forderungen aufgefordert. Ergänzt wird dies durch die Möglichkeit der Inventarerrichtung - dadurch wird unter Beteiligung des Nachlassgerichtes ein Verzeichnis der Aktiva und Passiva des Nachlasses erstellt.

  1. Nachlassverwaltung

    Kann der Erbe innerhalb der Sechs-Wochen-Frist nicht sicher herausfinden, ob der Nachlass überschuldet ist oder nicht, kann er die Haftung auf den Nachlass beschränken, wodurch er nicht mehr mit seinem eigenen Vermögen für Nachlassverbindlichkeiten haften muss. Die Nachlassverwaltung führt zu einer auf dem Erbfall rückwirkenden Trennung von Nachlass und sonstigen Vermögen des Erben.
    Die Nachlassverwaltung kann sowohl vom Erben als auch von den Nachlassgläubigern beim Nachlassgericht beantragt werden. Das Nachlassgericht macht die Nachlassverwaltung bekannt und bestimmt einen Nachlassverwalter. Es kann die Nachlassverwaltung jedoch auch mangels Masse ablehnen.
    Die Befugnis, den Nachlass zu verwalten und über Gegenstände aus dem Nachlass zu verfügen, geht auf den Nachlassverwalter über. Er sorgt für die Befriedigung möglichst aller Nachlassgläubiger. Die Haftungsbeschränkung bleibt auch nach Beendigung der Nachlassverwaltung bestehen.

    Wenn die Überschuldung des Nachlasses nicht zweifelsfrei feststeht, ist die Nachlassverwaltung regelmäßig der im Vergleich zur Ausschlagung besseren Weg.

  2. Nachlassinsolvenz

    Stellt sich heraus, dass der Nachlass überschuldet ist und eine Zahlungsunfähigkeit droht, so kann auf Antrag sofort oder im Anschluss an die Nachlassverwaltung die Nachlassinsolvenz durchgeführt werden. Auch die Nachlassinsolvenz beschränkt die Haftung des Erben auf das Erbe. Im Nachlassinsolvenzverfahren können die Nachlassgläubiger ihrer Forderungen geltend machen. Pflichtteilsansprüche, Vermächtnisse oder Auflagen sind ihnen gegenüber nachrangig zu behandeln.
    Das Verfahren findet vor dem Amtsgericht als Insolvenzgericht statt.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Erbe geworden – wie geht’s weiter?
Seite  2:  Sterbefallanzeige
Seite  3:  Ist ein Testament vorhanden?
Seite  4:  Nachweis der Erbfolge
Seite  5:  Annahme / Ausschlagung der Erbschaft
Seite  6:  Erbenhaftung
Seite  7:  Erbauseinandersetzung
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