Erbe geworden – wie geht’s weiter?

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Erbrecht Rubrik, Erbe, Erbschaft, Testament, Erbfolge

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Ist ein Testament vorhanden?

  1. Testament zum Nachlassgericht

    Falls ein Testament vorhanden ist, ist die erste Frage, wo es sich befindet. Wenn die Angehörigen wissen, dass beim Amtsgericht ein Testament des Verstorbenen aufbewahrt wird, brauchen sie dem Amtsgericht nur von dem Ableben Mitteilung zu machen, am besten durch Übersenden einer Sterbeurkunde.
    Meistens werden Testamente aber privat aufbewahrt. Zum Beispiel kann der Erblasser ein Testament in seiner Wohnung verwahren oder es einem Angehörigen oder Freund übergeben haben. Auch diese Testamente müssen nach dem Tod des Erblassers in den Besitz des Amtsgerichts gelangen. Jeder, der ein Testament in Besitz hat, sei es, dass es ihm vom Erblasser übergeben worden war, sei es, dass er es im Nachlass gefunden hat, muss es beim Amtsgericht abliefern. Zuständig ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk der letzte Wohnsitz des Erblassers liegt. In Baden-Württemberg ist hiervon abweichend der verwahrende Notar als Nachlassgericht zuständig Wer Testamente nicht abliefert, kann sich strafbar machen .
    Angehörige sollten daher sorgfältig die Papiere des Erblassers nach einem Testament durchsuchen und daran denken, dass auch mehrere Testamente vorhanden sein können. Besser wäre es natürlich, wenn der Verfasser des Testaments seinen Angehörigen schon vorher sagt, wo es aufbewahrt wird.

  2. Testamentseröffnung

    Das Nachlassgericht eröffnet, nachdem es vom Tod des Erblassers erfahren hat, die amtlich verwahrte oder abgelieferte letztwillige Verfügung des Erblassers (Testament oder Erbvertrag). Über die erfolgte Eröffnung wird eine Niederschrift gefertigt und auf das eröffnete Testament ein Eröffnungsvermerk gesetzt. Das Nachlassgericht verwahrt dann das Testament in den Nachlassakten und informiert die Beteiligten (auch die, die nicht bei der Eröffnung dabei waren) über den sie betreffenden Inhalt des Testaments.

    In Bayern ermittelt das Nachlassgericht zusätzlich die Erben von Amts wegen, wenn ein Grundstück oder wesentliche Aktivvermögen vorhanden sind. Das Nachlassgericht klärt die Erbfolge also auch dann, wenn nicht ausdrücklich ein Antrag auf Erteilung eines Erbscheins gestellt ist. Zu diesem Zweck wird eine „Nachlassverhandlung" angesetzt, zu der regelmäßig die Personen geladen werden, die als gesetzliche Erben in Betracht kommen und, soweit vor Testamentseröffnung erkennbar, sonstige Beteiligte. Für die Geladenen besteht keine Pflicht zum Erscheinen. Die Beteiligten können eine Abschrift des Testaments verlangen.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Erbe geworden – wie geht’s weiter?
Seite  2:  Sterbefallanzeige
Seite  3:  Ist ein Testament vorhanden?
Seite  4:  Nachweis der Erbfolge
Seite  5:  Annahme / Ausschlagung der Erbschaft
Seite  6:  Erbenhaftung
Seite  7:  Erbauseinandersetzung
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