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El Motassadeq räumt Geschäfte für Attentäter vom 11. September ein

AFP VOM 4.12.2002 | Nachrichten - Aktuelle Prozesse | 23110 Aufrufe
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Motassadeq

Widersprüchliche Aussagen zu Geld-Überweisung an Binalshibh

Am zweiten Verhandlungstag im Hamburger Terrorismus-Prozess hat der Angeklagte Mounir El Motassadeq eingeräumt, für Mitglieder der Hamburger Terrorzelle während deren Abwesenheit zahlreiche Geschäfte getätigt zu haben. Motassadeq gab am Mittwoch zu, mit einer Vollmacht Überweisungen auf dem Konto des späteren Todespiloten Marwan Alshehhi erledigt zu haben. Der 28-Jährige bestritt vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht jedoch erneut jede Kenntnis von den geplanten Terroranschlägen. Auch will er nicht über Alshehhis EC- oder Kredit-Karte verfügt haben. "Dafür gibt es keine Beweise", versicherte sein Verteidiger Hartmut Jacobi am Rande der Verhandlung.

Die Bundesanwaltschaft wirft Motassadeq vor, als "Statthalter" in Hamburg ein entscheidendes Rädchen der Terrorzelle gewesen zu sein. Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft soll sich Motassadeq maßgeblich mit um die Finanzierung der Anschlagsvorbereitungen gekümmert haben. Alshehhis Konto soll der "Finanzierungstopf" der Terrorzelle gewesen sein. Am Mittwoch befragte das Gericht den Angeklagten ausführlich zu seinen Kontakten zu Alshehhi und anderen mutmaßlichen Komplizen wie Ziad Jarrah, dem inzwischen in Pakistan verhafteten mutmaßlichen Organisator der Gruppe, Ramzi Binalshibh, sowie zu den international gesuchten Said Bahaji und Zakarya Essabar. Motassadeq bestätigte, dass ihm Alshehhi schon 1998 eine Generalvollmacht ausgestellt habe.

Motassadeq schilderte, dass er in der Folgezeit für Alshehhi unter anderem beim Einwohnermeldeamt war, Miete und Gasrechnungen beglich, den Semester-Beitrag überwies, eine Wohnung auflöste, sich um die Kaution kümmerte und den Handy-Vertrag kündigte. Von diesen Alltagsgeschäften und einer einmaligen Überweisung von 5000 Mark (rund 2550 Euro) abgesehen habe er jedoch keine anderen Bewegungen auf Alshehhis Konto vorgenommen. Die 5000 Mark überwies er nach eigenen Angaben auf Anweisung Binalshibhs, der ihn darum im September 2000 per Fax gebeten habe. In dem Fax aus dem Jemen habe gestanden: "Marwan braucht Geld". Motassadeq versicherte, dass er Alshehhi zu dieser Zeit in Afghanistan glaubte und vermutete, das Geld sei für dessen Aufenthalt dort bestimmt. Die Summe habe er jedoch auf ein Konto Binalshibhs in Hamburg überwiesen.

Bundesanwalt Walter Hemberger wies darauf hin, dass Motassadeq den Geldtransfer in einer früheren Vernehmung anders begründet habe. Damals habe er ausgesagt, Alshehhi brauchte das Geld, um Schulden zu begleichen. Die Bundesanwaltschaft wirft Motassadeq vor, er habe Binalshibh und Essabar Geld für deren geplante Flugausbildungen in den USA überwiesen. Nach Angaben der Verteidigung wurden von Alshehhis Konto wiederholt höhere Summen mit einer EC- oder Kreditkarte an Automaten in Hamburg abgehoben. Das Geld sei dann den Ermittlern zufolge jeweils "zeitnah" in die USA weitergeleitet worden worden, erläuterte Jacobi am Rande des Prozesses. Die Bundesanwaltschaft habe jedoch keinen Beweis dafür, dass Motassadeq je Alshehhis EC- oder Kredit-Karte benutzte.

Motassadeq bestritt, von Flugausbildungsplänen seiner Freunde gewusst zu haben. Binalshibh und Essabar hatten den Ermittlern zufolge keine Visa für die USA erhalten, weshalb sie die Pilotenausbildung nicht antreten konnten. Motassadeq muss sich als erster mutmaßlicher Komplize der Attentäter vom 11. September vor Gericht veranworten. Die Anklage legt ihm Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen zur Last.

23. Oktober 2002 - 17.02 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2002



Seiten in diesem Artikel:
Seite 1: Verteidigung beantragt Einstellung von Motassadeq-Prozess
Seite 2: US-Bürger als Nebenkläger im Motassadeq-Prozess zugelassen
Seite 3: Hamburg: Bericht zu Überweisungen der Terrorzelle
Seite 4: Zeuge in Motassadeq-Prozess: Atta war Fanatiker
Seite 5: Zeugen relativieren Aussage zu Gewaltbereitschaft Motassadeqs
Seite 6: Todespiloten wollten angeblich nach Tschetschenien
Seite 7: El Motassadeq räumt Geschäfte für Attentäter vom 11. September ein
Seite 8: Über mich hat er keine Macht gehabt
Seite 9: Motassadeq bestreitet Beteiligung an 11. September
Seite 10: Prozess gegem mutmaßlichen Terroristen El Motassadeq begonnen
Seite 11: Erhöhtes Polizeiaufgebot und schusssichere Plexiglaswand im Gericht
Seite 12: Statthalter der Todespiloten oder ahnungsloser Helfer?
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