Wann haftet der Stallbesitzer für Schäden am Pferd?

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Beispiele aus der Rechtsprechung:

Der bekannte Einleitungssatz des Juristen lautet: "Es kommt darauf an".

So ist auch bei dieser Frage immer entscheidend, welche Leistungen die Parteien vereinbart haben und ob der Stallinhaber Haftungsbeschränkungen vorgenommen hat.

Birgit Raupers
seit 2002 bei
123recht.net
Rechtsanwältin
30938 Großburgwedel
Arbeitsrecht, Handelsrecht, Kaufrecht, Tierkaufrecht

Generell kann der Stallinhaber seine Haftung nicht vollständig ausschließen, wenn er seinen Stallbetrieb als so genannter Unternehmer führt und Boxen an Privatpersonen vermietet, dies also eine Einnahmequelle darstellt. Ein vollständiger Haftungsausschluss ist für den gewerblichen Betreiber auch dann nicht möglich, wenn er dieses schriftlich und einzelvertraglich regelt, da seit dem 01.01.2002 durch die Einführung des Neuen Schuldrechts die Regelungen über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch für solche Verträge gelten, die für eine Mehrzahl von Einstellern vorformuliert worden sind.

Es ist also wichtig, dass der Stallinhaber eine wirksame Begrenzung seiner Haftung vornimmt. Er kann seine Haftung auf grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz beschränken und die Haftungshöhe einschränken.

Daher: Schriftlichen Vertrag mit einer wirksamen Haftungsbeschränkung vereinbaren.
Für den Stallinhaber gilt: Betriebshaftpflicht und Tierhüterhaftpflicht abschließen.

Der Stallinhaber ist verpflichtet, das Pferd derart unterzubringen und zu versorgen, dass es gesundheitlich nicht zu Schaden kommt (Element des Verwahrungs- und Obhutsvertrages). Dazu gehört, dass die Box so beschaffen ist, dass sich das Pferd dort nicht verletzen kann.
Dies gilt auch für Pferde, die dazu neigen, im Stall zu toben. (OLG Frankfurt, Az 17 U 194/98, Urteil v. 24.11.1999)

Der Stallbesitzer haftete für den Schaden, den ein ausgebrochenes Pferd verursachte, weil er vertraglichen Weidegang vereinbart hatte und der Weidezaun niedriger als 1,20 m hoch war.
Das Gericht bejahte eine Haftung des Stallbesitzers, da der Weidezaun zu niedrig angebracht war. (OLG Celle, Az 9 U 130/99, Urteil v. 26.01.2000)

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Was ist ein Einstellvertrag im juristischen Sinn?
Seite  2:  Allgemeine Kündigungsfrist
Seite  3:  Die Möglichkeiten des Stallbesitzers bei ausbleibender Zahlung
Seite  4:  Wann haftet der Stallbesitzer für Schäden am Pferd?
Seite  5:  Für wen haftet der Stallbesitzer?
Seite  6:  Wer muss was beweisen?
Seite  7:  Geschäftsführung ohne Auftrag oder: das Pferd ist krank, der Halter nicht erreichbar
Seite  8:  Exkurs: Hilfe unter Einstellern - das Mitnehmen von fremden Pferden auf die Weide
Seite  9:  Fazit
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