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Ein bisschen mehr Strenge bitte! - 1/1
jtm vom 09.06.2004   |   4928 Aufrufe   |   Rubrik: Unterhaltung - Alles was Recht ist

Ein bisschen mehr Strenge bitte!

Knackis mit Initiative

Wenn schon Knast, dann wenigstens richtig. Die Haft soll ja schließlich auch zur Besserung beitragen. Zwei bußfertige Knackis hatten die Nase voll von den Annehmlichkeiten des Strafvollzugs. Fernseher, Videospiele und Drogen an jeder Ecke. Das ist ja wie Pauschalurlaub auf Staatskosten! Da muss man ja die Biege machen! So dachten auch die beiden in der Haftanstalt im englischen Leyhill inhaftierten Engländer Audie Carr und Benjamin Clarke.

Es ist Mittag in der englischen Grafschaft Gloucester, als es am Tor des altehrwürdigen Gloucester Prison klopft. Vor dem Portal stehen Carr und Clarke und tragen ihr hehres Anliegen vor, in den schützenden Schoß des Gefängnisses aufgenommen zu werden. Die beiden Häftlinge sollten eigentlich in der 40 Kilometer entfernten Leyhill Strafanstalt wegen geringfügiger Vergehen im offenen Vollzug einsitzen. Aber die dortige Disziplinlosigkeit war für die beiden nicht mehr zu ertragen; ein Sündenpfuhl.

Wie einst Lot aus Sodom und Ghomorra türmten Carr und sein Kumpan aus diesem Hort der Dekadenz. Doch es war nicht die Freiheit, die ihnen im Sinn lag, sondern vielmehr, endlich ihre Strafe unter angemesserenen Bedingungen absitzen zu können. Im Angesicht der Strenge lässt es sich halt viel leichter büßen. Ohne einen Blick zurück zu werfen, marschierten die beiden wackeren Knackis nach Gloucester, wo sie sich die nötige Disziplin erhofften.

Die Vorgeschichte ist weniger spektakulär. Carr und Clarke haben beide im Gefängnis eine erfolgreiche Entziehungskur hinter sich gebracht. Doch angesichts der allgegenwärtigen Präsenz von Drogen in Leyhill hatten sie die Befürchtung, rückfällig zu werden und wieder in den Teufelskreis von Drogensucht und Kriminalität abzurutschen. Die Versuchung in Leyhill war einfach zu groß. Anträge auf Verlegung in das strengere Gloucester Prison blieben fruchtlos. In höchster Verzweiflung fühlten sich die reumütigen Wanderer von staatlicher Seite im Stich gelassen und beschlossen, ihre Besserung selbst in die Hand zu nehmen.

Auch wenn ihnen nun wegen des Ausbruchs eine Haftverlängerung droht, haben sie ihr Ziel erreicht: Beide Häftlinge dürfen in Gloucester bleiben.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, bbc.com


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