Das Original seit 2000:
Erste Hilfe in Rechtsfragen.
340723
zufriedene Nutzer
Sie sind hier:  www.123recht.net » Nachrichten » International » 

Drei Jahre Gefängnis für Skandalhändler Kerviel

AFP VOM 6.10.2010 | Nachrichten - International | 1097 Aufrufe
Mehr zum Thema:

Kerviel

Franzose muss 4,9 Milliarden Euro zurückzahlen

Ein Pariser Gericht hat dem französischen Skandalhändler Jérôme Kerviel die volle Schuld für seine milliardenschweren Finanzspekulationen gegeben und ihn dafür zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem muss der 33-Jährige der Société Générale die 4,9 Milliarden Euro zurückzahlen, die die Großbank durch seine Geschäfte 2008 verlor. Das harte Urteil stieß bei Parteien, aber auch bei Bankangestellten auf Kritik.

Das Gericht verurteilte den Ex-Banker zu insgesamt fünf Jahren Haft, von denen es zwei zur Bewährung aussetzte. Der Vorsitzende Richter Dominique Pauthe befand Kerviel in allen drei Anklagepunkten für schuldig: Neben Vertrauensmissbrauch waren dies Fälschung und die betrügerische Eingabe von Daten in das Computersystem der zweitgrößten französischen Bank. Der ehemalige Banker habe seine Kompetenzen überschritten, indem er ohne Wissen der Bank Spekulationen "gigantischen Ausmaßes" betrieben habe.

Kerviel hatte mit bis zu 50 Milliarden Euro spekuliert und die Société Générale damit an den Rand des Ruins gebracht. Der Angeklagte hatte in dem Prozess "Irrtümer" eingeräumt. Seine Vorgesetzten hätten aber von seinen Geschäften gewusst. Genau dieser Argumentation folgten die Richter nicht. Die Urteilsverkündung verfolgte der 33-Jährige leichenblass und sichtlich niedergeschlagen. Der Anwalt des Ex-Bankers, Starjurist Olivier Metzner, kündigte umgehend Berufung an.

Kerviel, der heute als Berater für ein Informatikunternehmen arbeitet, hat nach eigenen Angaben ein Monatsgehalt von 2300 Euro. Um die 4,9 Milliarden Euro an seinen früheren Arbeitgeber zurückzuzahlen, bräuchte er mehr als 170.000 Jahre - wenn er seinen gesamten Verdienst abgeben würde. Die Bank zeigte sich hingegen zufrieden mit dem Urteil.

In der Politik stieß der Schuldspruch auch auf Unverständnis. Es sei unglaublich, dass die Société Générale überhaupt keine Verantwortung tragen solle, erklärte die kommunistische Partei PCF.

In Europa und den USA gab es in den vergangenen Jahren nur wenige Fälle, in denen noch härtere Strafen gegen Finanzspekulanten verhängt wurden. Nach der Pleite der Barings-Bank in Großbritannien 1995 wurde Händler Nick Leeson zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Der US-Betrüger Bernard Madoff, der Anleger um mehr als 21 Millionen Dollar geprellt hatte, erhielt im vergangenen Jahr 150 Jahre Haft.

5. Oktober 2010 - 17.17 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010

123recht.net ist Rechtspartner von:

340723
registrierte
Nutzer

durchschnittl. Bewertung

97916
beantwortete Fragen
10
Anwälte jetzt
online
Rechtsanwalt
Jörn Langefeld
Inden-Frenz
Wohnungseigentumsrecht, Erbrecht, Arbeitsrecht, Miet und Pachtrecht, Vertragsrecht
 Jetzt anrufen 2,99 €/min.*
Quickie!
Ihre Meinung zählt.
Eine 50-Stunden-Woche ist bei Niedriglöhnern wie in den Chefetagen keine Seltenheit. Kennt Ihr das? Wie viele Stunden arbeitet Ihr ca. pro Woche?