Drei Frühgeborene in Bremer Klinik an Keim gestorben
AFP VOM 2.11.2011 | Nachrichten - Allgemein | 612 Aufrufe Mehr zum Thema:Krankenhaus, Todesfälle, Baby, Krankenhauskeime
Frühchenstation für Neuaufnahmen geschlossen
In einem Bremer Krankenhaus sind in den vergangenen Monaten drei Neugeborene an einer Infektion mit einem gefährlichen Keim gestorben. Angesichts der unklaren Ursache der Infektionen werden auf der Frühchenstation des Klinikums Bremen bis auf weiteres keine Neuzugänge aufgenommen, wie eine Sprecherin der Bremer Gesundheitsbehörde sagte. Der Keim wurde demnach bei etwa 15 weiteren Frühchen gefunden.
Nach Angaben der Sprecherin des Bremer Senats für Gesundheit starb das erste Frühgeborene am 8. August. Untersuchungen ergaben, dass das Kleinkind mit dem gegen Antibiotika resistenten ESBL-Keim infiziert war. Zwei weitere Frühchen seien im Oktober an einer Infektion mit demselben Keim gestorben. Neben gründlichen Hygienemaßnahmen auf der betroffenen Station sei nun das Robert-Koch-Institut (RKI) eingeschaltet worden, um die Ursache der Infektionen zu ergründen. Bis zur Klärung würden auf der Station keine neuen Frühgeborenen aufgenommen, betonte die Sprecherin.
Die ärztliche Geschäftsführerin des Klinikums, Brigitte Kuss, verwies nach Angaben der Sprecherin in einer Pressekonferenz auf den zerbrechlichen Zustand von Frühchen. Diese schwebten mit einem Körpergewicht von weniger als tausend Gramm generell in Lebensgefahr, weniger als die Hälfte überlebe im Schnitt. Der für Erwachsene in der Regel ungefährliche ESBL-Keim könne bei den Frühchen mit ihrem schwachen Immunsystem schnell tödlich wirken. Der Keim wurde den Angaben zufolge noch bei etwa 15 weiteren Frühchen entdeckt, bei diesen sei er aber nicht in den Körper geraten.
Das RKI suchte den Angaben zufolge im Bremer Klinikum mit drei Experten nach der Quelle der Infektion. Die Sprecherin der Gesundheitsbehörde wies Berichte zurück, nach denen womöglich verschmutzte Nährlösungen für die Infektionen verantwortlich waren. "Wir kennen nach wie vor die Ursache nicht." Ein Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft hatte am Nachmittag gesagt, seine Behörde habe Ermittlungen aufgenommen.
In den vergangenen Monaten hatte es an anderen deutschen Kliniken mehrere ähnliche Vorfälle gegeben. Im September starben in einem Krankenhaus in Siegen innerhalb kurzer Zeit drei Frühchen. Im vergangenen Jahr kamen in der Mainzer Universitätsklinik drei Babys ums Leben, nachdem sie mit Darmbakterien verunreinigte Infusionslösungen erhalten hatten. Auch in Passau starb vor knapp einem Monat ein Frühgeborenes an einer ESBL-Infektion.
02.11.2011 - 21:00 Uhr
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