Zivilrechtliche Haftung

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Ansprüche gegen den Sportler

Doping verursacht eine Vielzahl von Schäden. Nicht nur die Gesundheit des Sportlers wird beeinträchtigt, sondern oft auch die Belange anderer Beteiligter. Sportler, Arzt, Trainer, Verein, Wettkampfveranstalter, Sponsor und Zuschauer sind in die Betrachtungen miteinzubeziehen. Ganz entscheidend ist, ob der Sportler bewusst Dopingmittel eingenommen hat und welche Personen daran beteiligt waren. Wissentliches Doping führt zu Ansprüchen auf Schadensersatz.

Wenn ein Sportler absichtlich verbotene leistungssteigernde Mittel nutzt, können seine Vertragspartner bei einer Aufdeckung Schadensersatz verlangen. In Betracht kommen als Berechtigte Verein, Trainer, Wettkampfveranstalter und Sponsoren. Voraussetzung ist jeweils, dass ein Vertrag besteht und der Vertragspartner keine Kenntnis vom Doping hatte.

Grundsätzlich stellt das öffentliche Bekanntwerden eines Dopingvergehens eine Rufschädigung des unverschuldet darin verwickelten Partners dar. Der Sportler hat beispielsweise die Pflicht, alles zu unterlassen, was den Verein schädigen könnte. Kommt er dieser Pflicht nicht nach, ergeben sich Schadensersatzansprüche.

Mannschaftkameraden des gedopten Sportlers und Zuschauer haben dagegen normalerweise keine Ansprüche, weil keine vertragliche Bindung gegeben ist. Auch andere rechtliche Anspruchsgrundlagen sind nicht ersichtlich.

Ansprüche gegen den Trainer

Oft sind die Betreuer der gedopten Sportler an den Vorgehensweisen mitbeteiligt. Sollte der Verein des Sportlers finanzielle Nachteile auf Grund eines Dopingfalles haben, kann der Trainer zum Schadensersatz verpflichtet sein. Er verletzt durch die Unterstützung des Dopings die vertraglich festgelegte Pflicht, den Sportler fürsorglich zu betreuen.

Der Sportler selbst kann Ansprüche gegen den Trainer geltend machen, wenn ihm die Dopingmittel ohne sein Wissen verabreicht wurden.

Ansprüche gegen den Arzt

Verabreicht der Arzt dem Sportler leistungssteigernde Mittel ohne dessen Wissen, liegt eine Verletzung des Behandlungsvertrages vor. Ärzte haben eine Heilungs- und Schutzpflicht zu beachten. Medikamente dürfen nur zur Wiederherstellung der Gesundheit genutzt werden. Sollte ein zur Gesundung benötigtes Medikament verbotene Substanzen enthalten, ist der Arzt zur Aufklärung darüber verpflichtet.
Die dem Sportler finanziell oder gesundheitlich entstehenden Schäden hat der seine Pflichten verletzende Arzt zu ersetzten.

Ist der Arzt vertraglich an den Verein gebunden, stellt das Doping eine Verletzung der Vertragspflichten dar und ergibt einen Schadensersatzanspruch des Vereins gegenüber dem Arzt. Dabei ist es unerheblich, ob der Arzt mit Einverständnis des Sportlers gehandelt hat oder nicht.

Ansprüche gegen den Verein

Richtet der Verein eine Sportveranstaltung aus, an der ein bestimmter Sportler wegen eines Dopingvergehens nicht teilnehmen kann, so könnten Zuschauer unter Umständen ihr Eintrittsgeld zurückverlangen. Meist wird der Verein aber von der zulässigen Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, die Haftung für eine derartige Situation vertraglich auszuschließen. Außerdem müsste dem Verein eine Kenntnis des Dopings unterstellt werden.

Schadensersatzansprüche können im Normalfall Sponsoren gegenüber dem Verein stellen. In den abgeschlossenen Verträgen wird meist festgelegt, dass der Verein für einwandfreies sportliches Verhalten seiner Mitglieder zu sorgen hat. Durch ein Dopingvergehen verstößt der Verein in zurechenbarer Weise gegen diese Pflicht.



Als WICHTIG ist festzuhalten, dass es bei der Haftung jeweils auf den Einzelfall ankommt. Gerade die Fragen des Verschuldens und die Nachweisbarkeit sind schwer zu klären und können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Wann ist z.B. davon auszugehen, dass ein Sportler die verabreichten "Pillen" wirklich gutgläubig eingenommen hat? Oder wie genau sind die ärztlichen Pflichten festgelegt? Wie ist ein entstandener Schaden zu bestimmen?

Gerichtliche Entscheidungen dazu stehen größtenteils noch aus. Im Fall der Sprinterinn Katrin Krabbe beispielsweise wurde vom Landgericht München eine von der IAAF verhängte Wettkampfsperre für zu lange erachtet. Der Umfang der daraus folgenden Schadensersatzansprüche ist aber nach mehreren Jahren noch immer nicht geklärt.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Doping - Worum es geht
Seite  2:  Was ist Doping?
Seite  3:  Die Dopingkontrolle
Seite  4:  Was passiert nach einem positiven Test?
Seite  5:  Zivilrechtliche Haftung
Seite  6:  Strafbarkeit des Doping
Seite  7:  Wie kann sich der Sportler wehren?
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