Diskriminierung von Frauen im Job: You must have balls!

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Gut ausgebildete Frauen haben in deutschen Unternehmen Nachteile, wenn es um den Aufstieg in Führungspositionen geht. Sie verdienen ungefähr ein Viertel weniger als Männer und der Job-Klüngel ist männlich. Frauen, die mit den Jungs spielen wollen, holen sich oft eine blutige Nase. Das untermauern die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage von „Cosmopolitan“, die mit Unterstützung von „XING“ durchgeführt worden ist (www.cosmopolitan.de/go/job?umfrage).

Wer sich wundert, heuchelt. Realisten wissen, dass es seit 18.8.06 nicht ohne Grund ein Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gibt. Es wirkt sich insbesondere auf die Themen „Beschäftigung“ und „Beruf“ aus. Inzwischen gibt es auch die erste Gerichtsentscheidung, die Frauen Mut macht, sich im Job nicht länger hinten anstellen zu lassen.

Einer Abteilungsleiterin ist es gelungen, zu beweisen, dass sie bei einer ihr zustehenden Beförderung mit Absicht übergangen worden ist. Das Landesarbeitsgericht Brandenburg hat ihr in zweiter Instanz bestätigt, dass sie wegen ihres Geschlechts vom Arbeitgeber diskriminiert wurde. Es ging konkret um die Beförderung zur Personalleiterin eines Unternehmens mit über 1.100 Beschäftigten. Neben anderen Faktoren hat das Gericht zugunsten der Frau klargestellt, dass es nicht zulässig ist, wenn ein Arbeitgeber alle 27 Führungspositionen nur mit Männern besetzt, wenn Frauen zwei Drittel der Belegschaft stellen und es darüber hinaus eine qualifizierte Bewerberin gibt.

Die Klägerin konnte ebenfalls beweisen, dass sie von ihrem Vorgesetzten gemobbt wurde, nachdem sie sich zunächst außergerichtlich auf ihre Rechte nach dem Gleichbehandlungsgesetz bezogen hat. Die Arbeitsrichter, die in der geschlechtsdiskriminierenden Beförderungsentscheidung eine schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzung sehen, haben der 47jährigen Frau nicht nur Schadenersatz, sondern das höhere Gehalt zugesprochen. Das hätte sie bekommen, wenn sie und nicht ein jüngerer und weniger berufserfahrener Mann befördert worden wäre.

Das Urteil vom 26.11.2008 ist zweiunddreißg Seiten lang (Aktenzeichen: 15 sa 517/08, www.juris.de ). Diese Entscheidung zugunsten einer weiblichen Führungskraft bedeutet aber noch keinen Freifahrtschein bei den Arbeitsgerichten. Das Landesarbeitsgericht München hat am 7. August 2008 eine ähnlich gelagerte Klage zurück gewiesen.

Begründung:

„Allein der Umstand, dass in einem Unternehmen der Anteil an Frauen in den letzten Jahren stark abgenommen hat und nunmehr sowohl deutlich unter dem deutschen Durchschnitt als auch unter dem Frauenanteil im betreffenden Unternehmen allgemein liegt, ist noch kein ausreichendes Indiz, das eine Benachteiligung wegen des Geschlechts vermuten lässt.“ (Aktenzeichen: 3 Sa 1112/07, www.juris.de ).

Fazit ist, dass in Deutschland immer die Frau beweisen muss, dass sie vom Arbeitgeber diskriminiert wird und dass anscheinend mehrere Aspekte nach dem AGG zusammen kommen müssen. Wichtig ist, dass die diskriminierte Frau, die sich zur Klage entschließt, ihren Einzelfall schildert und nicht pauschal argumentiert. Natürlich gilt das Gesetz auch für Männer! Die sind sowieso schneller bei der Sache, wie ein Fall in Düsseldorf zeigt. Ein Mann fühlt sich diskriminiert und klagt, weil sein öffentlicher Arbeitgeber in einer ansonsten geschlechtsneutral gehaltenen Stellenausschreibung „ein besonderes Interesse an Bewerbungen von Frauen“ geäußert hat, da Frauen in dem zu besetzenden Bereich unterrepräsentiert sind (Aktenzeichen 12 Sa 1102/08, www.juris.de). Hauptsache Eier, oder?

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